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BerlinDie Corona-Pandemie ist nicht vorbei, das zeigt sich zunehmend auch an Berliner Schulen und Kitas: Zum ersten Mal seit der Wiedereröffnung ist eine Schule wegen des Coronavirus für mehrere Tage geschlossen worden. Betroffen ist das Kant-Gymnasium in Spandau: Wie die Schule am Dienstagabend auf ihrer Homepage bekannt gab, bleiben alle Schülerinnen und Schüler sowie das meiste Schulpersonal bis einschließlich kommenden Freitag zu Hause.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung sagte am Mittwoch, dass an der Schule drei Schülerinnen und Schüler positiv auf das Coronavirus getestet worden seien. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Geschwister, alle sollen symptomfrei gewesen sein. Die Schule bleibt für drei Tage geschlossen, weil sich laut Anordnung des Gesundheitsamts Spandau neben 90 Schülerinnen und Schülern auch 17 Lehrkräfte in Quarantäne befinden. Damit sei der „geplante Unterricht nicht mehr möglich“, so die Schule auf ihrer Homepage. Die Zeugnisverleihungen in der kommenden Woche sollten aber stattfinden. Amtsärztin Gudrun Widders bestätigte dieser Zeitung, dass die Schließung der gesamten Einrichtung nicht von ihr veranlasst worden sei.

In Neukölln, wo wegen eines Covid-19-Ausbruchs in mehreren Mietshäusern derzeit die Bewohner von 369 Haushalten unter Quarantäne stehen, war der Stand laut Auskunft von Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) am Mittwoch folgender: Von zehn Schulen im Umfeld des Ausbruchsortes seien vier nicht betroffen und zwei seit vergangenem Freitag wieder aus der Quarantäne heraus. Bestätigte Infektionen gibt es an drei Grundschulen im Bezirk, hier sind insgesamt sechs Schüler und eine Lehrkraft positiv getestet worden. An einer Schule stehen deshalb bis 26. Juni drei Lehrkräfte und eine neunköpfige Lerngruppe unter Quarantäne, an der zweiten eine ganze Klasse bis 23. Juni, an der dritten müssen acht Kinder und vier Lehrkräfte bis 24. Juni zu Hause bleiben. Auch eine Oberschule ist betroffen: Hier ist ein Schüler infiziert und eine Lerngruppe steht unter Quarantäne. Eine Kitagruppe ist ebenfalls geschlossen.

Corona-Infektionen an vier Schulen in Charlottenburg-Wilmersdorf

Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es Infektionsfälle an vier Schulen: An der Otto-von-Guericke-Sekundarschule wurden wegen einer infizierten Lehrerin am Dienstag 80 Abstriche genommen und 16 Quarantänen ausgesprochen, an der Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule wurden am Mittwoch wegen eines infizierten Kindes 50 Personen abgestrichen. Die Testergebnisse stehen an beiden Schulen noch aus. Im Fall des infizierten Schülers am Schiller-Gymnasium ergaben acht Abstriche laut Gesundheitsstadtrat Detlef Wagner (CDU) keine weiteren Infektionen. An der Erwin-von-Witzleben-Grundschule, wo vergangenen Freitag ein infizierter Schüler gemeldet wurde, hätten laut Wagner bei 61 Schülern, zwei Lehrkräften und einer Erzieherin keine weiteren Infektionen nachgewiesen werden können – hier befinden sich aber noch 30 Personen in Quarantäne. Kitas sind laut Wagner derzeit nicht betroffen.

Die Lage in den Bezirken ist unterschiedlich – und wegen der teils sehr unterschiedlichen Informationspolitik auch unübersichtlich. Marzahn-Hellersdorf und Tempelhof-Schöneberg etwa geben gar keine Auskunft, die Steglitzer Gesundheitsstadträtin hingegen meldete bis auf eine infizierte Schülerin, die aber in einem anderen Bezirk wohnt und vor Auftreten der Symptome lange genug nicht in der Schule war, gar keine Vorkommnisse in ihrem Bezirk.

In Berlin soll nach bisherigen Plänen der Regelbetrieb wieder aufgenommen werden: in Kitas schon ab kommender Woche, in den Schulen nach den Sommerferien im August. Abstandsregeln gelten dann nicht mehr. Das verkündete Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) vergangene Woche. Der Charlottenburger Gesundheitsstadtrat Detlef Wagner hat Zweifel, ob das der richtige Schritt ist: „Wenn es bis dahin nicht schon einen Impfstoff gibt, gäbe es wahrscheinlich keine bessere Methode, das Infektionsgeschehen wieder richtig zu befeuern.“ Die regionalen Gesundheitsämter bewiesen grade, dass sie in der Lage seien, kommunale Hotspots unter Kontrolle zu bringen. Bei zu weitreichenden Lockerungen, so Wagner, werde es aber nicht mehr möglich sein, Infektionsausbrüche ausreichend nachzuvollziehen.