So sieht das Coronavirus aus. Torsten Harmsen lässt es zu den Menschen sprechen. 
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BerlinAlle reden über das Coronavirus. Doch kann sich überhaupt jemand vorstellen, wie unglaublich winzig es ist? Ein Vergleich: Wenn man ein Coronavirus auf einem Fußball suchte, wäre das Größenverhältnis in etwa so, als suche man einen Fußball auf dem Planeten Erde. Das Coronavirus ist kein Berliner und sollte auch möglichst keiner werden. Aber es gibt dennoch einen Berlin-Bezug. Denn in Berlin wurde einst das Zeitalter der Virologie mitbegründet.

Die Infektionsforscher Friedrich Loeffler und Paul Frosch machten hier 1898 Versuche mit Rindern, die an Maul-und-Klauenseuche erkrankt waren. Sie fanden heraus, dass die Erreger winzige Partikel sein müssen – viel kleiner als Bakterien. Gesehen hat man das erste Virus dann allerdings erst um 1940 unter dem Elektronenmikroskop.

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Was würde solch ein Virus sagen, wenn es zu den Menschen reden könnte? Vielleicht würde es sagen: „Hallo ihr. Ich finde euch seltsam. Ihr seid so klug, erfindet so viele Dinge. Aber dann seid ihr wieder so irrational. Pro Jahr gibt es weltweit 1,3 Millionen Verkehrstote – die nehmt ihr in Kauf, ohne Krisenstäbe gegen Autos zu bilden. Drei Millionen Tote im Jahr soll der Alkohol verursachen. Aber keiner rennt panisch weg, wenn er eine Flasche Rum sieht.

Doch bei mir fallt ihr schon vor Schreck um, wenn ihr nur meinen Namen hört. Eigentlich will ich euch gar nichts Böses. Ehrlich! Wir Viren denken nur an uns. Kommt euch diese Haltung irgendwie bekannt vor? Außerdem habt ihr uns doch eingeladen, zu euch zu kommen – mit euren Märkten, euren gejagten Wildtieren, von denen wir auf euch überspringen. Wir sind im Grund das, was ihr gerne wärt. Wie bitte? Niemals? Überlegt doch mal: Ihr redet ständig von Globalisierung. Aber keiner ist besser darin als wir. Wir sind überall und nirgends. Wir sind mobil, dynamisch, flexibel, brauchen keine Nahrung, keine Wohnung, keinen Schlaf.

Wir sind stets bereit, überall in der Welt hinzufliegen, und wir haben keinen Betriebsrat. Jeder von euren neoliberalen Chefs würde uns sofort einstellen. Und welche Effizienz! Wir sind geballte Information, geschützt von einer winzigen Hülle. Ihr hustet, wir fliegen durch den Luft. Schwupps, sind wir woanders und suchen uns eine kleine Zelle, in die wir unser Erbmaterial ablassen. Plupp, die Zelle geht kaputt – und schon gibt es Hunderte oder Tausende mehr von uns! Was für eine Geburtenrate!

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Wir sind Verwandlungskünstler, verbinden uns einfach mit jemand anderem und – huii – schon habt ihr keine Macht mehr über uns. Ihr müsst dann wieder mühevoll einen neuen Impfstoff finden. Obwohl, Hut ab, dass ihr überhaupt so was habt! Im Grund existieren wir, um euch immer wieder zu beweisen, dass ihr nicht allein auf der Welt seid. Damit euch die Bäume nicht in den Himmel wachsen.“