Ein Mitarbeiter an jenem Rettungswagen, mit dem das Mädchen am Mittwochabend in die Klinikum gebracht wurde.
Foto: dpa/Julian Stähle

PotsdamDie Entwarnung kam am Donnerstag um 13.22 Uhr. Das Brandenburger Gesundheitsministerium gab die Testergebnisse zum Coronavirus-Verdachtsfall in der Brandenburger Landeshauptstadt Potsdam bekannt. „Das Laborergebnis liegt vor und ist negativ“, sagte Ministeriumssprecher Gabriel Hesse. „Dieser Verdachtsfall hat sich also nicht bestätigt.“

Es war bereits der zweite Verdachtsfall im Land Brandenburg, und auch er hat sich als nicht begründet herausgestellt. Am Mittwochabend hatte sich eine Schülerin chinesischer Herkunft bei der Notrufzentrale gemeldet, weil sie Symptome hatte, die jenen des Coronavirus ähnelten, das derzeit vor allem in China für Aufregung sorgt sowie für einen Epidemie mit steigenden Zahlen von Betroffenen und der Abriegelung ganzer Millionenstädte.

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Die Schülerin war mit einem Rettungswagen von Mitarbeitern in Schutzkleidung ins Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum gebracht worden. Dort wurde das Mädchen in einer Fachabteilung für Infektionskrankheiten in einem Zimmer isoliert und von erfahrenen Experten behandelt. „Die Behandlung erfolgt durch Spezialisten, die seit Jahren viel Erfahrung haben mit Patienten, die an hochansteckenden Krankheiten leiden“, sagte eine Krankenhaussprecherin. Die Berliner Charité überprüfte dann die Blutprobe und konnte am Donnerstag Entwarnung geben.

Coronavirus: Zwei neue Verdachtsfälle in Thüringen

Weltweit wird derzeit versucht, eine Pandemie – also eine weltweite Ausbreitung der Krankheit – zu verhindern. In Deutschland, auch in Berlin, gab es bereits mehrere Verdachtsfälle, die sich alle nicht bestätigten. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Am Donnerstagmittag gab das Thüringer Helios-Klinikum gekannt, dass es dort derzeit zwei aktuelle Verdachtsfälle gibt. „Wir bestätigen, dass wir im Helios Klinikum Erfurt zwei Patienten mit einer Atemwegserkrankung aufgenommen haben, bei denen aktuell noch nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Corona-Infektion vorliegt“, sagte Krankenhaus-Sprecherin Sylvia Kreyßel-Minar.

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In Berlin hat die Gesundheitsverwaltung extra eine Informations-Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Dort haben sich seit Dienstagmorgen 270 Menschen gemeldet. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) wertete die Zahl als ein gutes Zeichen. „Das zeigt, dass keine Hysterie und keine Panik da ist“, sagte sie am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Die Bevölkerung müsse aufgeklärt werden. Zu Panik gebe es aber keinen Grund, sagte sie.

Grundsätzlich warnen die Behörden vor Panikmache, andererseits sollen Betroffene sich möglichst schnell melden, um weiterer Ansteckungen zu verhindern. Das zuständige Robert-Koch-Institut weist darauf hin, dass es für eine Ansteckung mit dem neuartigen Virus namens „2019-nCoV“ notwendig ist, dass die Erkrankten vorher entweder in einer der betroffenen Regionen in China gewesen sein müssen oder aber Kontakt mit bereits erkrankten Leuten gehabt haben müssen.

Gefahr in Deutschlan derzeit gering

„Mit einem Import von einzelnen Fällen nach Deutschland muss gerechnet werden", heißt es beim Robert-Koch-Institut. 2Auch einzelne Übertragungen in Deutschland sind möglich. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung bleibt derzeit weiterhin gering.“

Im Potsdamer Fall wurde die Sache vor allem auch deshalb ernst genommen, weil es sich um eine chinesische Schülerin handelt. Sie geht ins Schiller-Gymnasium. Die Privatschule hat seit Jahren rege Kontakte nach China. Die Schule teilte den Eltern mit, dass die Schülerin bereits seit Tagen nicht in der Schule war und dass es deshalb keine Ansteckungsgefahr gibt. Denn auch ihre Mitbewohner waren sicherheitshalber seit Tagen nicht in der Schule. Das Gesundheitsamt habe keine Schulschließung angeordnet.

Eltern der Schule erzählen,dass das Mädchen in die zehnte Klasse geht und seit mehr als einer Woche nicht in der Schule war. Sie hatte sich krank gemeldet und sich dann wegen entsprechender Symptome ins Krankenhaus einliefern lassen.

Der letzte Schultag kann stattfinden

Das Ernst-von-Bergmann-Krankenhaus gibt keinerlei Auskünfte zu dem Fall, bestätigt nicht einmal, dass es ein Mädchen ist. „Wir sprechen ganz neutral von einem Patienten. Und der ist auf dem Weg der Besserung.“

In der Schule erzählen Eltern, dass das erkrankte Mädchen nicht aktuell in China war, etwa beim dortigen Neujahrsfest, sondern dass sie wohl in den hiesigen Weihnachtsferien in China gewesen sein soll.

Auf der Internetseite der Schule heißt es, dass das Mädchen noch am Donnerstag wieder nach Hause darf. Die Schule gab bekannt, dass auch am Freitag – dem letzten Schultag vor den Ferien – der Unterricht ganz regulär stattfindet.