Die Polizei hat ihre Präsenz in Cottbus erhöht - trotzdem bleibt die Lage in der Stadt angespannt. Am Samstag beteiligten sich mehrere Hundert Menschen an einer rechten Demonstration, wenig später musste die Polizei erneut wegen zwei Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Ausländern einschreiten. Auch Journalisten wurden angegriffen.

Zu der Demonstration hatte der Verein „Zukunft Heimat“ aufgerufen. Angaben zur Teilnehmerzahl machte die Polizei zunächst nicht, die Veranstalter sprachen im Internet von 2500 Menschen.

An der Demo beteiligten sich auch Anhänger der rechtspopulistischen AfD. Als Rednerin trat die Vize-AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Birgit Bessin, auf. Sie sprach laut einer Mitteilung „von einer unerträglichen Belastung“ durch Flüchtlinge. „Es geht um Gewalt, die derzeit vor allem von syrischen Jugendlichen ausgeht“, sagte sie.

Die aus Protest aus der CDU ausgetretene frühere Abgeordnete im Bundestag und Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach sagte auf Twitter: „Ja, ja „Jugendliche““ und „Die Bürger demonstrieren mit gutem Recht!“

Starke rechte Szene

Cottbus stand zuletzt wegen Auseinandersetzungen zwischen syrischen und deutschen Jugendlichen und einem Angriff syrischer Jugendlicher gegen ein deutsches Ehepaar im Fokus. Am Freitag hatte Innenministerium Karl-Heinz Schröter (SPD) verfügt, dass zunächst keine weiteren Flüchtlingen aus der zentralen Aufnahmeeinrichtung des Landes nach Cottbus geschickt werden. Zuvor war die Polizeipräsenz in der Innenstadt von Cottbus erhöht worden. Inzwischen gehen Beamte der Bereitschaftspolizei auf Streife. Cottbus hat auch eine starke rechte Szene, die laut Innenministerium gewaltorientiert ist.

Am Samstagabend kam es erneut zu zwei Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Ausländern. Auf einer Geburtstagsfeier gerieten eine 18-jährige Deutsche und ein 18 Jahre alter Syrer aneinander, wie ein Polizeisprecher am Sonntag mitteilte. Als die Beamten eintrafen, skandierte eine Person aus der neunköpfigen Gruppe „Ausländer raus“. Die Polizei erteilte Platzverweise und nahm zwei Personen in Gewahrsam, weil sie dem nicht folgten. Die 18-Jährige griff daraufhin die Polizisten an und wurde deshalb in die Polizeiinspektion gebracht. Ein Alkoholtest ergab 1,14 Promille.

Wenige Stunden später kam es in der Innenstadt zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen fünf Deutschen und zwei laut Polizei unbekannten, ausländisch aussehenden Personen. Ein Deutscher habe dann einen der Ausländer geschubst, einer der Ausländer sprühte Reizgas. Anschließend ergriffen die beiden Ausländer die Flucht.

Bei der Demonstration waren auch zwei Journalisten angegriffen worden. Wie die Polizei mitteilte, schubste ein 44 Jahre alter Mann eine auf einer Bank stehende Journalistin, die gerade Fotos machte. Die Frau konnte sich abfangen und blieb unverletzt. Fast zeitgleich rempelte ein 25-Jähriger einen Journalisten an. Dadurch fiel das Handy des Journalisten zu Boden und wurde beschädigt. Die Polizei konnte beide Tatverdächtige in unmittelbarer Nähe stellen. Sie ermittelt nun wegen Sachbeschädigung und versuchter Körperverletzung. (dpa)