Berlin - Wer berühmte Frauen anziehen darf, der lernt es schnell, diskret zu sein. Uli Richter hat von 1970 bis 1974 Rut Brandt, Gattin des damaligen Bundeskanzlers, exklusiv für Staatsbesuche ausgestattet; was sie trug, stieß auf ähnliches Interesse und Wohlgefallen wie heute die Garderobe Michelle Obamas. Deswegen ist Richter natürlich die Frage nicht fremd, was man denn einer Bundeskanzlerin am besten anziehen könnte. „Frau Merkel hat effektiv nicht die Zeit für Mode bei den Aufgaben, die sie sich gesetzt hat“, antwortet er. Jackett und Hose seien nun einmal leichter zu reproduzieren als fantasievolle Kleider, dafür bräuchte man verschiedene Anproben. „Rut Brandt hingegen hat das mit wahnsinniger Freude gemacht“, sagt er. „Sie hatte eine fantastische Figur, sie hat an Mode sehr viel Interesse gehabt. Sie war allerdings auch nicht Bundeskanzlerin, sondern die Frau des Bundeskanzlers.“

Richter ist Couturier, Designer findet er auch in Ordnung als Bezeichnung, nur Modeschöpfer missfällt ihm – darin schwinge die Schöpfung mit, das sei denn doch allzu hochtrabend. Und als Vertreter dieses Berufes weiß er, dass die Kunst in diesem Feld oft im Weglassen liegt, in der Reduktion überflüssiger oder womöglich gar dem guten Stil abträglicher Details.

Der schlichte Look Berlins

Uli Richter war dabei, als die Mode in Berlin noch einmal eine große Zeit hatte, in den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Er erkannte früh, dass ein „Weniger ist mehr“ nicht zu weniger Eleganz, aber zu mehr Moderne verhelfen konnte. Die Frauen wollten nicht paradieren und posieren, sondern sich bewegen können in ihren Kleidern, daraus entwickelte sich ein schlichter, sachlicher Look. Paris mit seiner Handwerkskunst war die Inspirationsquelle, der Champagner; New York mit seiner sportlichen Mode der Wecker, die Koffeintablette: So muss man sich den Neuanfang vorstellen.

Uli Richter empfängt in seinem Haus in Grunewald. Es gibt Tee in weißen Bone-China-Tassen, dazu Biskuitrolle, die Füllung in jenem zarten Cremeton, den auch die Auslegeware hier hat. Serviert wird im Wintergarten mit der Phalanx von Modebüchern an der Fensterseite und drei Telefonen mit unterschiedlichen Ruftönen in der Ecke. Man wird sie oft durcheinander klingeln hören, denn kurz vor der Vernissage einer Richter gewidmeten Ausstellung will, so scheint es, die halbe Welt etwas von ihm.