Frauen bekommen häufiger als Männer Covid-19, werden deshalb auch häufiger krankgeschrieben. 
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BerlinIn Zeiten von Covid-19 zahlen Frauen, insbesondere diejenigen, die Dienst am Menschen tun, einen hohen Preis. Sie stecken sich deutlich häufiger mit dem Coronavirus an als Männer, dies ergab eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

In Berlin und Brandenburg erkrankten rund anderthalb mal so viele berufstätige Frauen wie Männer. In der Hauptstadt kamen auf je 100.000 Frauen 300 Infizierte, in Brandenburg 297. Bei den Männern waren es 198 beziehungsweise 178. Bundesweit standen 563 von 100.000 Frauen mit der Lungenkrankheit 403 von 100.000 Männern gegenüber.  

Mit einer Stichprobe, die 55.000 Krankschreibungen von AOK-Versicherten in Deutschland erfasste, konnte auch festgestellt werden, in welchen Berufen sich Beschäftigte am häufigsten mit dem Virus angesteckt hatten. Untersucht wurden die Krankschreibungen von März bis Mai.

Die zehn Berufe mit den meisten Infektionen gehören ausnahmslos in den Gesundheitsbereich. 77 Prozent der Beschäftigten sind hier Frauen. Lediglich in einem Bereich, dem Rettungsdienst, waren mit 70 Prozent Männer häufiger von der Ansteckung betroffen als Frauen. In diesem Bereich arbeiten aber auch vorwiegend Männer.

Bei den medizinischen Fachangestellten, gemeinhin als Sprechstundenhilfen bekannt, trifft es bundesweit zu 99 Prozent Frauen, allerdings gibt es in diesem Beruf kaum Männer. In der Altenpflege liegt der Frauenanteil der Erkrankten bei 85 Prozent, in der Krankenpflege bei 86 Prozent. Die Werte aus diesen Bereichen liegen zweieinhalb Mal höher als der Durchschnitt. Unter den infizierten Medizinern sind 57 Prozent Frauen.

Auch jenseits der medizinischen Berufe wurden Frauen in manchen Berufsfeldern besonders häufig infiziert. Zu 91 Prozent bei Kinderbetreuung und -erziehung, zu 88 Prozent an Kassen in Geschäften. Auch hier überwiegt generell die Zahl der jeweils beschäftigten Frauen. 

Die Statistiker des WIdO stellten fest, dass Kassiererinnen trotz vieler Kontakte zu anderen Menschen nur eine um zehn Prozent höhere Infektionsrate haben als der Durchschnitt. Sie schlossen daraus, dass Maskenpflicht in Geschäften und Schutzscheiben an den Kassen gegen Ansteckung wirken. 

Der Lockdown mit der Schließung von ganzen Wirtschaftszweigen zeigte gleichfalls Wirkung: Friseurinnen und Friseure sowie Angestellte im Hotelservice erkrankten im untersuchen Zeitraum nur halb so oft wie der Durchschnitt der Beschäftigten.

Berlin und Brandenburg seien insgesamt glimpflich davongekommen, lautet das Fazit: Ließen sich bundesweit 474 von 100.000 Beschäftigten wegen Covid-19 krankschreiben, waren es in Berlin 242 und in Brandenburg 231. Am schwersten traf es Baden-Württemberg mit 721, am leichtesten Mecklenburg-Vorpommern mit 157.

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