BerlinWie viele Menschen heute schon vor ihr standen und „aaah“ gemacht haben, weiß die freundliche Mitarbeiterin nicht. Sie arbeitet, geschützt durch eine FFP2-Maske und ein zusätzliches Visier, in einer der sechs Kabinen im kürzlich eröffneten Covid-Testzentrum am Flughafen BER. Hier ist der Rachenabstrich Fließbandarbeit, bis zu 2000 Menschen könnten maximal pro Tag getestet werden, verspricht der Anbieter.

Foto: Gerd Engelsmann
Täglich werden im Terminal 1 des BER von 7 bis 19 Uhr Abstriche durchgeführt. 

Obwohl der Airport längst nicht ausgelastet ist, ist gegenüber dem Ankunftsportal im BER Terminal 1 an diesem Freitagmorgen gegen halb zehn durchaus Betrieb. Derzeit nehmen sie hier täglich 700 bis 800 Abstriche, sagt Moritz Krohn, er ist der Leiter des Testzentrums. Zu Stoßzeiten könnten sich zwischendurch durchaus Wartezeiten ergeben, die seien aber kurz.

Viele Gründe für den spontanen Corona-Test 

In der Schlange halten die meisten Abstand. Es gehe schnell voran, sie stehe hier erst etwa 15 Minuten, sagt eine Frau. Moritz Krohn spricht von einer „bunten Mischung“ von Gästen, die das Angebot der Rostocker Biotech-Firma Centogene seit der Eröffnung des BER in Anspruch nehmen. Und tatsächlich sind die Beweggründe, sich testen zu lassen, sehr unterschiedlich. Ein Ehepaar aus Köpenick beispielsweise will am Sonntag nach Lanzarote reisen und braucht dafür die Bescheinigung über ein negatives Testergebnis. Es gibt Reiserückkehrer aus Risikogebieten wie Spanien. Und Menschen, die von ihrem Arbeitgeber hierher geschickt wurden, um nach einem Covid-Fall in der Firma auf Nummer sicherzugehen.

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Marion Brandau aus Königs Wusterhausen hat den Test gerade absolviert.

Marion Brandauers Sohn etwa wurde von der Schule in Quarantäne geschickt, ihr Arbeitgeber bat sie, vorsichtshalber einen Test machen zu lassen. Er übernimmt die Kosten von 59 Euro für die Sekretärin. Es habe auch schon Kunden gegeben, die vom Gesundheitsamt geschickt worden seien, sagt Moritz Krohn. Tatsächlich ist es in Berlin derzeit für Menschen ohne Symptome nicht ganz einfach, an einen Corona-Test zu kommen.

Das Bundesgesundheitsministerium hat die nationale Teststrategie für die Herbst- und Wintersaison 2020/2021 angepasst. Dennach werden Personen mit leichten Erkältungssymptomen, die keiner Risikogruppe angehören oder keinen Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten, zunächst nicht getestet.

Mehrere private Anbieter in Berlin 

Wer dennoch einen negativen Test für Reisen oder andere Zwecke benötigt und selber zahlt, kann sich mittlerweile an einige private Anbieter wenden. Auf dem Parkplatz an der Berliner Messe bietet etwa Quick Test einen PCR-Test für 158 Euro an. Im Medizinischen Versorgungszentrum Mitte kostet die Prozedur als IGel-Leistung für Kassenpatienten 75,76 Euro. Das private Coronatestcentrum Süd hat den PCR-Test für 83,20 Euro im Portfolio. Auch Hausärzte und HNO-Ärzte bieten PCR-Tests und mittlerweile auch Antigen-Schnelltests für Selbstzahler an.

Die Kosten für Antigen-Schnelltests vor dem Besuch bei der Oma im Pflegeheim etwa betragen nach den Recherchen des IGeL-Monitors in der Regel je nach Antikörpertyp zwischen 20 und 52 Euro, hinzukommen meist Kosten für Blutabnahme und Beratung. Die Kassenärztliche Vereinigung hat eine Liste veröffentlicht, auf der Berliner Praxen aufgeführt sind, in denen Corona-Tests durchgeführt werden. Bei den allermeisten aber ist es nötig, einen Termin zu vereinbaren. 

So ist es auch in einem neuen Testzentrum, welches das Rote Kreuz in der Metropolis-Halle am Filmpark Babelsberg betreibt. Zur Entlastung der Hausärzte richtete die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg das größte Testzentrum in der Region ein. Ab Montag bekommen Kassenpatienten mit Überweisung in der Halle einen Termin.

Wenn es aber schnell gehen soll und es keine Überweisung gibt, fahren viel zum BER. So auch Familie Siegle aus Wilmersdorf. In der Kita ihres Sohnes habe es einen Corona-Fall gegeben, nun wollen sie sicher gehen, dass sie sich nicht angesteckt haben, sagen die Eltern. Auch ihr zweijähriger Sohn hätte heute hier getestet werden können, haben sie gerade erfahren, das ist ungewöhnlich. Bevor sie zum Flughafen aufgebrochen sind, haben sich die Siegles im Internet auf der Seite des Anbieters angemeldet, ihre Daten eingegeben und bezahlt. Mit dem QR-Code auf der Rechnung haben sie sich dann am Testzentrum gemeldet. Man kann sich aber auch direkt vor Ort registrieren. Für Menschen ohne Smartphone gibt es außerdem einen Hilfe-Schalter, drei Computer stehen zu Verfügung, falls das Handy streikt.

Foto:  Gerd Engelsmann
Eine Mitarbeiterin nimmt einen Abstrich.

Nachdem die freundliche Mitarbeiterin oder einer ihrer Kollegen vom Malteser Hilfsdienst in den Kabinen das Stäbchen in den Rachen getunkt und dreimal rechts und dreimal links gedreht haben, wird die Probe mit dem persönlichen Code versehen. Dreimal am Tag fahren Fahrer die Röhrchen dann ins Labor nach Hamburg. Wenn es einen Stau gibt, dauert es mit dem Ergebnis länger. Nach 24 Stunden aber sollte das Testresultat vorliegen, sagt Moritz Krohn. 

Der Eigentümer des Berliner Verlags ist über eine weitere Firma an der Biotech-Firma Centogene beteiligt und hat einen Sitz im Aufsichtsrat.