Linkenpolitiker Kocak doch als Nebenkläger im Prozess gegen Neonazis zugelassen

Ab Montag müssen sich Sebastian T. und Tilo P. vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen einer Serie von rechtsextremistischen Anschlägen in Neukölln verantworten.

Ferat Kocak ist nun doch zugelassen.
Ferat Kocak ist nun doch zugelassen.Berliner Zeitung/Markus Wächter

Linkenpolitiker Ferat Kocak  ist nun doch als Nebenkläger zum Anfang der Woche beginnenden Prozess um die rechtsextremen Brandanschläge in Neukölln zugelassen worden. Das erfuhr die Berliner Zeitung am Freitag. Am Mittag bestätigte eine Sprecherin des Landgerichts den Beschluss. Das Auto des 43-Jährigen war in der Nacht zum 1. Februar 2018 neben dem Haus seiner Eltern in Neukölln angezündet worden, das Feuer drohte, auch auf das Gebäude überzugreifen.

Kocak engagiert sich seit Jahren in verschiedenen Initiativen gegen Rechtsextremismus und Rassismus in Neukölln. Er wachte in jener Nacht durch den Feuerschein auf und konnte seine Eltern wecken. Seine Mutter erlitt wenig später einen Herzinfarkt. Kocak selbst klagt noch heute über Schlaflosigkeit, der Anschlag habe sein Leben vollständig verändert, sagte er. Er habe psychologische Beratung in Anspruch nehmen müssen.

In derselben Nacht war auch das Auto des Buchhändlers Heinz Ostermann angezündet worden. Auch er hatte sich gegen rechtsextremistische Umtriebe in seinem Bezirk stark gemacht. 

Das Auto von Ferat Kocak brannte neben dem Haus seiner Eltern in Neukölln ab. 
Das Auto von Ferat Kocak brannte neben dem Haus seiner Eltern in Neukölln ab. Die Linke Berlin

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Haupttäter der Brandanschläge, Sebastian T. und Tilo P., beginnt am Montag vor dem Amtsgericht Tiergarten. Die Angeklagten sollen die beiden Fahrzeuge angezündet haben, um Kocak und Ostermann einzuschüchtern und für deren politischen Engagement zu bestrafen.

Außerdem wird den beiden mutmaßlichen Neonazis Bedrohung und Sachbeschädigung in mehreren Fällen vorgeworfen. Sie sollen auf die Wohnhäuser anderer Bürger im Bezirk, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, mit roter Lackfarbe Drohungen gesprüht haben. Für das Verfahren sind insgesamt zehn Verhandlungstage vorgesehen.

Ferat Kocak reagierte erleichtert auf Mitteilung

Die zuständige Richterin des Amtsgerichts Tiergarten hatte den Antrag Kocaks auf Nebenklage Mitte Juli zunächst abgelehnt. In dem Beschluss hieß es: Auch die weiter vorgetragenen Folgen der Tat für den Zeugen Kocak begründeten keine körperlichen und seelischen Schäden von einer Erheblichkeit, die in der Strafprozessordnung für eine Nebenklage vorausgesetzt werde.

Ferat Kocak reagierte erleichtert auf die Nachricht, als Nebenkläger zugelassen worden zu sein. „Ich freue mich, dass mir in dieser Sache Gerechtigkeit widerfahren ist“, sagte er der Berliner Zeitung. Er nannte die zunächst erfolgte Ablehnung einen Schlag ins Gesicht. Es mache ihn traurig, dass von Naziterror Betroffene um ihre Rechte kämpfen müssten.

In Neukölln hatte es in den vergangenen Jahren eine Serie von mindestens 70 rechtsextremen Anschlägen gegeben, dabei gingen auch mehrere Fahrzeuge in Flammen auf - von Linkenpolitikern, Gewerkschaftern oder Menschen aus der Zivilgesellschaft, die gegen Rechtsextremismus auftreten.