Suche nach Auftragskiller im Darknet: Staatsanwältin fordert sechs Jahre Haft

Prozess am Landgericht Berlin: Nico F. droht eine Haftstrafe. Er wollte einen Nebenbuhler töten lassen. Auf der Suche nach einem Mörder fiel er auf Betrüger herein.  

Nico F. soll nach dem Willen der Staatsanwältin für sechs Jahre hinter Gitter.
Nico F. soll nach dem Willen der Staatsanwältin für sechs Jahre hinter Gitter.Pressefoto Wagner

Am Ende ist der Betrogene kaum noch zu hören. „Ich möchte mich bei allen entschuldigen“, stammelt Nico F. in den Saal. Er sei sehr froh, dass nichts passiert sei. Es ist das letzte Wort, das dem Angeklagten in jedem Prozess zusteht. Offenbar hatte der 28-Jährige nicht damit gerechnet, dass die Staatsanwältin eine so hohe Haftstrafe fordern würde.

Kleinlaut trat der Angeklagte auch bei seinem Geständnis zu Beginn des Prozesses auf. Dabei hatte er sein Ansinnen, einen Menschen umbringen zu lassen, durchaus „mit Vehemenz, planmäßig und kalt“ verfolgt, sagte Staatsanwältin Henrike Hillmann an diesem Dienstag in ihrem Plädoyer. Sie sieht den Vorwurf der versuchten Anstiftung zum Heimtückemord als bewiesen. Auch die psychiatrische Gutachterin hatte zuvor keinen Grund für eine Schuldminderung bei Nico F. gesehen. Und so fordert Hillmann, den Angeklagten wegen versuchter Anstiftung zum Mord zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren zu verurteilen.

Es ist ein skurriler Fall, der für das Opfer durchaus tödlich hätte enden können. Nico F., Kellner in Dresden, hatte sich in einen Mann verliebt, der jedoch schon vergeben war. Im Darknet suchte er einen Killer, der den Lebensgefährten seiner Liebe in Berlin töten sollte. Auf einer Website, auf der scheinbar Morde in Auftrag gegeben werden konnten, stieß er auf einen Felix Fleischer, der das „Problem“ beseitigen wollte.

Nico F. hatte für den Killer bereits 24.263 US-Dollar gezahlt, rund 22.000 Euro. Dafür hatte er einen Kredit genutzt, den er eigentlich zum Einrichten seiner Wohnung, für eine Nasenkorrektur und einen Hund aufgenommen hatte. Er schickte dem vermeintlichen Mörder Fotos des Opfers und die Adresse.

Und er gab auch Anweisungen: Demnach sollte das Opfer an der Haustür abgepasst und erschossen oder erstochen werden. Wie ein Unfall oder ein missglückter Raubüberfall sollte die Tat aussehen. Dann outete sich der Administrator: Alles sei nur Fake. Nico F. war im Darknet auf Betrüger hereingefallen. Um sein Geld zurückzubekommen, konnte er schlecht zur Polizei gehen.

Offenbar flog der Angeklagte durch Recherchen zu einem englischen Podcastprojekt auf, das sich mit Kriminalität im Darknet befasste. Dabei stießen die Rechercheure auch auf die von Nico F. genutzte Website. Die dort entdeckten Informationen schickten sie an die deutschen Behörden. Mehr als einhundert ähnliche Fälle weltweit brachten sie ans Licht.

Staatsanwältin Hillmann sagte in ihrem Plädoyer: Auch wenn es eine Betrügerseite gewesen sei, so hätte der Angeklagte nicht mehr kontrollieren können, was passieren würde. Am 1. April dieses Jahres wurde das vermeintliche Opfer von der Berliner Polizei gewarnt. Der 34-Jährige traute sich daraufhin eine Zeit lang nicht mehr vor die Tür. Erst eine Woche später wurde Nico F. an seinem Dresdener Arbeitsplatz festgenommen.

Verteidigerin Barbara Nottbusch verwies in ihrem Plädoyer darauf, dass ihr Mandant ein umfassendes Geständnis abgelegt habe. Er sei zudem noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten, und er bereue seine Tat zutiefst. Auch habe es nach ihrer Auffassung für das Opfer nie eine wirkliche Gefahr gegeben. Der Mordauftrag sei durch den Administrator gelöscht worden. Nottbusch beantragte eine Haftstrafe von drei bis vier Jahren, sie könne auch leicht unter drei Jahren liegen.

Am kommenden Donnerstag soll das Urteil gegen Nico F. fallen.