Die Hindernisläufe der Neuzeit heißen Strongman Run, Braveheart Battle oder No guts no Glory. Mit dem guten alten Hürdenlauf auf der Aschenbahn haben sie nichts gemein, eher könnte man sie als böse Schwester des Crosslaufs bezeichnen. Die Berliner Variante des Spektakels nennt sich „Cross Challenge“. Am Sonntag gehen 1500 Läufer am Berliner Stadtrand nahe Groß Glienicke an den Start. Mit gut zwei Dutzend Hindernissen hat der Veranstalter, die Event GmbH des Sportclub Charlottenburg (SCC), den 13 Kilometer langen Rundkurs in der Döberitzer Heide gespickt – Schlammgrube inklusive.

„Schmutzfink? Dreckskerl? Wildschwein?“, fragt die Internetseite zur Cross Challenge, um sogleich mit umfänglichen Warnungen aufzuwarten: etwa vor dem schwierigen Untergrund, der fortwährenden Gefahr des Ausrutschens, Stürzens, Stolperns oder Umknickens sowie vor den Kletter- und Wasserpassagen, die eine außerordentliche körperliche Fitness erforderten. „Aussteigen ist immer möglich und keine Schande“, heißt es.

Solch martialische Warnungen und spektakuläre Hindernisse suggerierten, dass nur echte Kerle diese Läufe schaffen, analysiert die Sporthochschule in Köln den Lauftrend. Viele Männer seien nur zu gern bereit, diese Herausforderung anzunehmen und so ihre Härte unter Beweis zu stellen. Extrem-Hindernisläufe würden auf alle Fälle immer populärer, sagt Olaf Fries, der Sprecher der Sporthochschule. Sie seien so beliebt, dass die Läufe oft Wochen im Voraus ausgebucht seien.

Für die Berliner Cross Challenge waren schon im August alle Startplätze vergeben, sagt Thomas Steffens, der SCC-Event-Sprecher. Für den Veranstalter, der auch den Berlin-Marathon organisiert, hat das Ganze noch einen positiven Nebeneffekt: Er kommt an eine neue Zielgruppe heran – Läufer, die mit Mitte 30 etwas jünger sind als der durchschnittliche Marathonteilnehmer, denen es mehr um Spaß und Abenteuer geht und die dafür bis zu 75 Euro Startgeld bezahlen können.

Der Vater aller Extrem-Cross-Läufe ist das Tough Guy Race nahe der britischen Stadt Wolverhampton. Seit 1986 gehen jedes Jahr Ende Januar bei oft bitterkalten Temperaturen Tausende Läufer auf die Strecke. Sie tauchen durch eiskaltes Wasser, springen durch Flammen und robben unter Stacheldraht hindurch. Entwickelt hat das Rennen ein früherer Militär, der einst Elitetruppen der britischen Armee trainierte.

Sonntagvormittag unter Gleichgesinnten

Dreimal schon hat sich Nikolaus W., 44, durch das Tough Guy Race gequält, jetzt freut er sich auf die Cross Challenge in heimischen Gefilden. Solche Schlammrennen seien für ihn eine Gelegenheit, „einen sehr vergnüglichen Sonntagvormittag unter Gleichgesinnten zu verbringen“, sagt der Berliner, der in der Chefetage einer großen Firma arbeitet. W. vermutet, dass der Lauf in der Döberitzer Heide nicht ganz so herausfordernd werden wird wie das Tough Guy Race. Im Dunkeln durch Wasser robben oder Stromschläge einstecken, solche Hindernisse würde in Deutschland vermutlich auch kein Veranstalter behördlich genehmigt bekommen, vermutet der Jurist.

Ganz so hart wie das Tough Guy Race wollte der SCC seinen Hindernislauf nicht machen, sagt SCC-Event-Sprecher Steffens. Also keine Feuerwand, kein Sprung aus großer Höhe. Auch eine Flussquerung wird von den Teilnehmern der Cross Challenge nicht verlangt – ganz einfach auch deshalb, weil es in der Döberitzer Heide keinen Fluss gibt. Man habe den Parcours an das Gelände angepasst und Hindernisse entworfen, die zwar eine Herausforderung sind, aber dennoch nicht zu gefährlich, so Steffens. Beispielsweise die sogenannte Paniermeile – also eine Wassergrube mit anschließender Kriechstrecke im Sand. Dort und auch an den anderen Hindernissen hat sich im vergangenen Jahr, als die Cross Challenge erstmals stattfand, niemand verletzt.

Einige der spektakulärsten Hindernisse der Berliner Cross Challenge stehen im Start- und Zielareal, einem Gelände, das sonst der Motorsportclub Groß Glienicke nutzt. Nur dort haben Zuschauer Zutritt, sagt Thomas Steffens. Der größte Teil der Strecke liege auf einem Bundeswehrübungsplatz, den außer den Läufern niemand betreten dürfe. Denn das abseits der Strecke liegende Areal sei vermintes Gelände – also richtig gefährlich.