Jenny und ihre Freunde haben genug: Klimawandel, Rassismus Flüchtlinge an den Zäunen Europas. Gentrifizierung und Homophobie. Der Anarcho-Bande reicht es, jetzt setzen sie alles auf eine Karte, sie haben genug davon, ohnmächtig und sprachlos zu sein. Es beginnt ein radikales Abenteuer, eine Geschichte zwischen Liebe und Verrat, Hoffnung und Resignation: „Deckname Jenny“ ist der erste Spielfilm des Berliner Filmkollektivs Schwarzer Hahn in Zusammenarbeit mit der Filmschule Arche. Ein Crowdfundingprojekt und Samira Fansas erster Spielfilm. Die 53-jährige Filmemacherin wurde einem größeren Publikum mit dem Dokumentarfilm „Verdrängung hat viele Gesichter“ bekannt, der die Problematik der Gentrifizierung zum Thema hat.

Man muss loslassen können

Fansa, gebürtig aus Hannover, hat das Projekt sechs Jahre intensiv begleitet und kennt sich mit den Tücken von Kollektivarbeit aus. Bei „Verdrängung hat viele Gesichter“ zerfiel die Gruppe nach drei Jahren – das Material war zu umfangreich geworden, die Richtung stimmte nicht mehr, und man pausierte ein Jahr. Bis Fansa eine Cutterin fand, die ihr half, den Film fertigzustellen. Mit großer Resonanz – der Dokumentarfilm über die Gentrifizierung wurde vielerorts gezeigt, Fansa allein besuchte 140 Veranstaltungen, was sicherlich auch den rasch steigenden Mieten in Deutschlands Städten geschuldet ist.

Das Kollektiv Schwarzer Hahn besteht aus drei Personen, ein basisdemokratisches Arbeiten ist bei einem Film trotzdem nicht möglich. „Das wäre ein Traum. Zwar sitzen wir zusammen und entwickeln gemeinsam eine Idee, beim Drehbuch wird es schon schwieriger. So etwas geht nur mit Leuten, die gut loslassen können und sich nicht durchsetzen müssen“, sagt Fansa, die aber auch bei „Deckname Jenny“ bei der Kollektivarbeit geblieben ist. „Ich finde es einfach wertvoller und kreativer, die Sache zusammen zu entwickeln und gemeinsam zu händeln, soweit das geht“. Gemeinsam mit der selbstverwalteten Filmschule Arche und den Schauspielern gibt es regelmäßige Treffen zum Austausch und zur Ideenfindung. Wer sich stärker beteiligen möchte, der kann dies tun und so Mitglied des Kollektivs sein.

Jenny und ihre Bande entscheiden sich zu radikalen Aktionen

Warum Fansa nach dem für einen Dokumentarfilm sehr erfolgreichen „Verdrängung hat viele Gesichter“ nun mit „Deckname Jenny“ einen Politthriller geschrieben hat und Regie führen wird, erklärt die Filmemacherin so: „Ich hatte einfach nach sechs Jahren keine Lust, schon wieder einen Dokumentarfilm zu drehen über Gentrifizierung. Es gibt zwar noch andere Ideen, aber ich brauchte einfach eine Pause von Dokumentationen und habe angefangen, Drehbuchschreiben zu lernen und werde auch Regie führen.“

„Deckname Jenny“ wird also ein Spielfilm, bleibt jedoch Fansa und ihren Wurzeln verhaftet: Die nicht mehr blutjunge Linksaktivistin Jenny ist von der Gesellschaft und ihrem Umgang mit Themen wie der Flüchtlingskrise, Rassismus und Homophobie frustriert. Jenny und ihre Bande entscheiden sich zu radikalen Aktionen.

Linke Szene unterstützt das Projekt

Das Ganze mag nach einem Problemstreifen der 70er- oder 80er-Jahre klingen, doch die Low-Budget-Produktion verspricht charmant zu werden. Zu allererst jedoch muss das nötige Geld zusammenkommen. Noch bis Ende August hat man die Möglichkeit, die Crowdfunding-Aktion zu unterstützen. „Wenn wir mindestens 13.000 Euro zusammenbekommen haben, dann starten wir“, so Fansa, die betont, wie wenig dies für die Umsetzung eines Films bedeutet – allein für die Verpflegung sind für fünfzig Drehtage 5000 Euro veranschlagt. Auch hier ist das Kollektiv auf Unterstützung angewiesen, Fansa selbst hat gerade mit einer Bäckerei aus Kreuzberg verhandelt, die helfen wird.

Auch die linke Szene unterstützt das Projekt, so wird „Deckname Jenny“ unter anderem in einer Wagenburg gedreht, wo ansonsten Kameraverbot herrscht. Auf die Rigaer Straße als Drehort hat das Kollektiv allerdings verzichtet. „Wir hätten auf der Demo gedreht, aber ich hatte Angst, dass mir die Kamera kaputtgehauen wird“, so die Regisseurin pragmatisch. Gespielt wird die Aktivistin Jenny von der Berliner Schauspielerin Sarah Graf, die bislang hauptsächlich als Theaterschauspielerin gearbeitet hat. Eine weitere Rolle hat der ebenfalls in Berlin lebende Schauspieler Ulf Schmitt. Crew und Schauspieler treibt für dieses Projekt eher der Idealismus an, als die Aussicht auf einen großen Verdienst. „Alle machen mit, weil sie den Film und die Idee dahinter gut finden“, sagt Fansa mit Überzeugung. Und jener Spur Hoffnung, die man für ein solches Projekt braucht.

jenny-in-berlin.de. Crowdfunding unter der Adresse www.startnext.com/deckname-jenny