Berlin - Die Regenbogenfahnen flattern überall in der Stadt: Am nächsten Sonnabend wird die schwul-lesbische Community zum 35. Mal mit einer großen Parade den Christopher Street Day begehen. Die Tage bis dahin heißen Pride Week, deren Auftakt war am Freitagabend die CSD-Gala im Friedrichstadtpalast.

Dem Publikum bot man dabei eine extra „homoerotisierte“ Version der aktuellen Produktion „Show me“. Die unterschied sich nicht nur durch den Aufmarsch eines ganzen Geschwaders von Drag Queens von der sonst an diesem Ort gezeigten Show. Für den Poledance war diesmal keine Dame des Balletts eingeteilt, sondern ein Herr.

Der Teppich vor der Tür, über den die Gäste des Abends schritten, war pink. Und auf dem gab es für ganz Verwegene auch schon eine Poledancestange. Regisseur Rosa von Praunheim benutzte die nicht: „Obwohl ich gerade acht Kilo abgenommen habe und deshalb viel beweglicher geworden bin.“ An der Stange betätigte sich „Bauer sucht Frau“-Moderatorin Inka Bause, sah dabei aber eher aus, als ob sie sich bei einer Vollbremsung in der U-Bahn festhält. Sie führte durch den Abend und begrüßte eine bestimmte Gästegruppe extra: „Die kleine Minderheit heute, die Heterosexuellen …“

Ihren freien Abend an der Komischen Oper nutzte Katharine Mehrling, die dort gerade vom Publikum in jeder Vorstellung von „Ball im Savoy“ wild gefeiert wird, für einen Ausflug zur CSD-Gala: „Es sollte mehr solcher Veranstaltungen geben.“ Ihre nächste Vorstellung hat sie diesen Sonnabend: „Ich verpasse deshalb das Konzert von Barbra Streisand, was mir wirklich das Herz bricht. Sie ist eine der letzten Ikonen.“

Unter den Gästen des Abends waren – neben dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit – Friseur Udo Walz, die Schauspieler Gottfried Vollmer und Isabell Horn sowie Filmautor Wolfgang Kohlhaase.

Die Gala bot nicht nur schrille Unterhaltung. Im Sinne der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung, die in der Christopher Street in New York ihren Anfang nahm, wurden auch Aktivisten ausgezeichnet. Einen Zivilcouragepreis bekamen die ugandische Menschenrechtsaktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera für ihr Engagement unter lebensbedrohlichen Umständen, der Berliner Rechtsanwalt Dirk Siegfried für seine beim Bundesverfassungsgericht in einigen Punkten zur Gleichstellung schwul-lesbischer Menschen erfolgreiche Überzeugungsarbeit und die Republik Argentinien für ihre wegweisend progressiven Gesetze für Transsexuelle und Transgender. Die Laudatio für Nabagesera hielt Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. Es ist halt Wahlkampf.