Über Monate hatte es Streit gegeben um den Christopher Street Day in diesem Jahr: Robert Kastl, Chef des CSD e. V., wollte der Parade den Namen Stonewall geben – nach der New Yorker Bar, von der aus 1969 die ersten Proteste gegen Unterdrückung Homosexueller ausgingen.

Viele aus der Szene fühlten sich bei der Entscheidung übergangen, die alte Kritik, der CSD sei über die Jahre zu kommerziell geworden, wurde laut. Am Ende formierte sich ein Aktionsbündnis, das eine eigene Demonstration veranstaltet. Und dann sind da noch ein CSD in Kreuzberg und der Dyke March. Blicken Sie noch durch? Nein? Hier folgt eine Übersicht, wer wie, wo protestiert und feiert.

Dyke March: Für alle Lesben und ihre Freundinnen und Freunde. Seit 1993 haben lesbische Frauen (engl.: Dykes) ihre eigene Parade, in den USA klassischerweise mit einem Konvoi Motorradbräute vorneweg. In Berlin hat sich diese Tradition bisher nicht durchgesetzt, die Demo ist ein klassischer Fußmarsch, ohne Wagen und Musik, für „mehr lesbische Sichtbarkeit und Lebensqualität“.

Ein CSD in Kreuzberg: Für alle, denen Laufen beim Demonstrieren zu anstrengend ist. Der Kreuzberger CSD ist der Nachfolger des Transgenialen CSDs, der seit 1998 in SO36 stattfand. Die Route ist gefühlt zwei Schritte lang: Sie führt vom Oranienplatz zwei Häuserblöcke weiter zum Heinrichplatz, Motto: „Die Oranienstraße ist keine Einbahnstraße und Solidarität auch nicht!“

CSD Berlin: Für alle, die eine politische Demo wollen. Allein die Route soll ein Statement sein, sie zieht unter anderem vorbei an der ugandischen und russischen Botschaft, am Bundesrat und am Denkmal der vom Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. SPD, CDU, Linke und Grüne sind mit Wagen vertreten, ebenso Amnesty International, der Deutsche Gewerkschaftsbund und Aktion Sühnezeichen. Eröffnen soll die Demo der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Ute Hiller, Chefin der Berliner Aidshilfe.

CSD Parade: Für alle, die es groß mögen. 500.000 Teilnehmer erwarten die Veranstalter. Auf der Hauptbühne, die netterweise die CDU-Zentrale nebenan beschallt, eröffnet die russische Frauenband Helium die Abschlusskundgebung, später spricht dort Regisseur Roland Emmerich, der gerade einen Film über die Unruhen von 1969 dreht, außerdem werden die Gewinner des Stonewall Awards präsentiert. Der wird bereits am Freitag bei einer Gala verliehen, an die nigerianische Aktivistin Dorothy Aken’Ova und den Briten Peter Tatchell.