Berlin - Wenige Tage nach der Ankündigung, auf der Cuvrybrache würde nach Jahren des Stillstandes tatsächlich mit Bautätigkeiten begonnen, verändert sich das Bild des Geländes in Kreuzberg von Tag zu Tag mehr. Inzwischen steht dort ein blickdichter Bretterzaun. Was dahinter passiert, lässt sich nur erahnen. Und so bleiben Fragen:

Hat der Bauherr tatsächlich mit dem Bau begonnen, just drei Wochen bevor seine seit 2002 immer wieder verlängerte Baugenehmigung ausgelaufen wäre? Sind der Zaun und die Bauanzeige vielleicht nur ein Trick, um Zeit zu gewinnen auf einem der umstrittensten Grundstücke in der Innenstadt der vergangenen Jahre? Oder entsteht dort tatsächlich ein Gewerbezentrum mit Büros, Restaurants und einem Hotel – und eben keine preiswerten Wohnungen, wie sie das Land Berlin bis zuletzt gefordert hat?

Hans Panhoff, Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, sagt, er schätze schon, „dass da jetzt gebaut wird“. Schließlich habe der Inhaber, Immobilienunternehmer Artur Süsskind, nichts davon, seine Baugenehmigung zu gefährden, sagt der Grünen-Politiker.

Bauherr Artur Süsskind will nicht mit der Öffentlichkeit reden

Wie berichtet, hat Süsskind angekündigt, zwischen Schlesischer Straße, Cuvrystraße und Spree zwei 30 Meter hohe langgestreckte Flügelbauten, bestehend aus je drei achtstöckigen Häusern zu errichten. Geplant sind rund 35 000 Quadratmeter Büro- und Handelsflächen sowie Einzelhandel, Gastronomie und ein Hotel. Architektonisch soll sich der rot geklinkerte Cuvry-Campus an der Speicherarchitektur der Straße orientieren.

Artur Süsskind hatte das Gelände vor vier Jahren gekauft. Seitdem wehrte er sich dagegen, seinen geplanten 250 Luxuswohnungen mit Spreeblick auch 25 Prozent Sozialwohnungen an die Seite zu stellen, ehe er die Planungen umwarf.

Bauherr Süsskind will derzeit nicht mit der Öffentlichkeit reden. Baustadtrat Panhoff attestiert ihm, dass sich sein Bauvorhaben „in gewisser Weise in die Schlesische Straße einfügt“. Immerhin entstehe keine Lagerhalle oder ein Autohaus, sondern Gewerbe für eine wohlmöglich größere Anzahl von Arbeitsplätzen. Ein Hotel könne er sich dort sehr wohl vorstellen, so Panhoff, zumal SO36 noch vergleichsweise wenige Hotels habe. Panhoff: „Eigentlich kann man an dieser Stelle nichts falsch machen. Mitten auf der Meile.“ Die Schlesische Straße verbindet die Ausgeh-Hotspots Schlesisches Tor und Arena in Treptow. Auch in der Straße selbst und in Nebenstraßen gibt es viele gut besuchte Bars und Clubs.

Größeren Widerstand gegen das Bauvorhaben erwartet der Stadtrat nur „von den üblichen Aktivisten“. Jüngst habe das Bezirksamt einen kranken Baum an der Grundstücksgrenze fällen lassen müssen. „Das hat die Leute mehr bewegt, als dass da jetzt gebaut werden soll.“