Berlin - Irgendwann ist auch mal Schluss! Max-Günther ist empört über das was er sich da anschauen muss: Da erlaubt es sich Walter die kurzhaarige Bonny direkt vor seiner Nase anzuschnuppern. Max-Günther zittert vor Wut, er baut sich auf, er bellt und bellt, seine Haare schwingen in der Luft, sein Gemächt wackelt. „Jetzt ist aber gut, Max-Günther!“, sagt sein Frauchen. Normalerweise reicht Max, aber wenn sich der fünf Jahre alte Langhaardackel dickköpfig aufführt, dann nennt die 28-jährige Kulturwissenschaftlerin Kaisa (so lautet der finnische Vorname) Berger ihren Kläffer Max-Günther.

Elf Dackel am Sonntag

Elf Dackel, ihre Frauchen und Herrchen haben sich am Sonntagnachmittag in der Pflügerstraße in Neukölln versammelt. Zum sechsten Mal veranstalten Judith Schmitt und Bernd Ehnes das große Neuköllner Dackeltreffen. Die Hunde schnüffeln sich gegenseitig an und pinkeln herum, die Langbeiner reden miteinander. „Oh, ihr habt ja eine neue Leine.“ „Oh, ihr habt ein neues Mäntelchen für euren Süßi.“ Gemeinsam dackeln sie dann durch Neukölln. Das sind keine Hausmeister-Krause-Typen, die hier entlang spazieren, es sind durchweg modische Menschen mit modernen Bärten, Schirmmützen und Turnschuhen. PR-Agentur- und IT-Start-up-Angestellte sind dabei, ein Designer, ein Architekt, eine Online-Marketing-Frau. Und sie kommen aus Pankow, aus Prenzlauer Berg, aus Wedding, aus ganz Berlin.

Die Dackelkönigin heißt "Ella"

Dass Schmitt und Ehnes einen Dackelspleen haben, das verbergen sie nicht, im Gegenteil: die Kneipe, die die 42-Jährige und der 37-Jährige seit Oktober 2014 betreiben heißt „Posh Teckel“, was man auch als „Schicker Dackel“ übersetzen könnte. Teckel ist die norddeutsche Bezeichnung für Dackel. Sehr vieles in dieser Kneipe hat mit der an eine Wurst erinnernden Hunderasse zu tun. Es gibt eine langezogene Dackelsitzbank, Dackel-Korkenzieher, Dackelchristbaumschmuck. Auf dem Logo der Kneipe ist ein Dackelkopf zu sehen, mit Krone.

Das ist aber nicht irgendein Dackel, sondern Neuköllns Dackelkönigin Ella. „Unsere Ella kennt jeder in dieser Straße“, sagt Ehnes. Seit zehn Jahren ist er Ellas Herrchen. Im Sommer 2013 haben die beiden Judith Schmitt kennengelernt, dann kam die Idee eine Kneipe aufzumachen, in der sowohl die Liebe zum Dackel, als auch zur Musik einen Wiederklang finden sollte. Und nun haben sie einen zweiten Dackel in der Familie, Bonny. „Ein Geschenk von unseren Stammgästen“, sagt Schmitt, ihr Frauchen. Bonny bellt vor Freude, sie weiß, dass es gerade um sie geht.

Dackel sind immer felsenfest davon überzeugt, dass sie gleich tot umfallen, wenn sie nicht sofort ein Hundekeks bekommen. Deswegen setzen sie den Dackelblick auf. „Da kann man nicht immer widerstehen“, sagt Schmitt und gibt Bonny einen Hundekeks.

Drei Dackel pro Straße

Die Idee für das Dackeltreffen entstand, nachdem beide beim Dackelrennen in Lichtenrade waren, „dort haben wir gesehen, wie viele Dackelliebhaber es in Berlin gibt und wie unterschiedlich die alle sind“, sagt Schmitt. Von Spießeroma bis Punk, alle würden Dackel lieben. Und es würden immer mehr. Vor einigen Jahren hätte es in einem großen Boulevardblatt noch geheißen: „Ist der Dackel noch zu retten?“ Und jetzt? „In der Sanderstraße gibt es nun drei Dackel“, sagt Schmitt. Anscheinend löst der Dackel den Jack Russell, die französische Bulldogge oder den Golden Retriever ab.

Es verhält sich bei Hunden ähnlich wie bei Röcken, mal ist lang angesagt, mal kurz.

Und warum ist der Jagdhund Dackel so dermaßen in der Großstadt beliebt? Man kann sie ins Restaurant mitnehmen, in den Urlaub, sie sind kompakt und haben Humor, sagen die Besitzer. Der Hund, so heißt es, sei auch ein verlängertes Ich des Halters. Und man muss sagen, es gibt da eine Ähnlichkeit. Genauso wie die Dackel den Dachsbau lieben, so halten sich auch die Dackeltreffen-Teilnehmer gerne in den Räumen des mit viel dunklem Holz eingerichteten Posh Teckel auf.