Das Berghain bekommt eine neue Tanzfläche. Zur Abwechslung mal eine substanzielle Nachricht von Berlins berühmtestem Club  – waren die letzten Meldungen doch primär urbane Legendenbildungen, die dem Berghain einen noch mythischeren Ruf bescherten. Unter anderem wurde auf Ebay eine  Getränkekarte des Berghain versteigert, die, so uninteressant sie sich las, am Ende angeblich für über 100 Euro den Besitzer gewechselt haben soll und eine Anzeige wegen Diebstahls nach sich zog.

Das so heitere wie geschwätzige Szenemagazin Vice fragte im Anschluss zu Recht: „Nimmt sich Deutschlands bekanntester Technoclub hier viel zu ernst?“ Abgesehen von der Tatsache, dass dem wohl so ist, ist es bezeichnend, dass das Magazin vor vielleicht fünf Jahren noch gefragt hätte, ob sich Deutschlands „wichtigster“ Technoclub hier nicht viel zu ernst nimmt.

Image einer Großraumdisco

Denn das Berghain, Nachfolger des Ostguts an der Mühlenstraße, hat seit geraumer Zeit mit dem Vorwurf zu kämpfen, von Samstag bis Montag, also in der einträglichsten Zeit, das Image einer Großraumdisco am Balaton zu pflegen. Wofür die Clubbetreiber nichts können. Es ist eben nur so, dass Techno „Made in Berlin“ mittlerweile zu einer weltweiten Marke geworden ist, die in Verbindung mit dem so genanten Easy-Jet-Set ein internationales Publikum anzieht, das alles ist, nur eines nicht: Avantgarde.

Und offenbar scheint der Club damit kein Problem zu haben, denn der neue Floor soll dort entstehen, wo bislang ein Darkroom, also ein Raum für anonymen Sex gewesen haben soll: Unterhalb des sogenannten Mainfloors, der großen Tanzfläche des Clubs, deren Trennschärfe zur hauseigenen Panorama Bar aus hartem Techno versus House in allen seinen Spielarten besteht.

Dunkle Klänge

„Säule“ soll die dritte Tanzfläche in einem bisher ungenutzten Raum nun heißen und der Name bezieht sich wohl eher auf die architektonischen Eigenheiten des ehemaligen Heizkraftwerkes denn auf die zukünftige musikalische Ausrichtung des Clubs, der neben seiner exquisiten DJ-Auswahl und seiner Akustik für zwei Dinge berühmt geworden ist: Seine knallharte Türpolitik und seine Libertinage.

Denn Sex in all seinen Spielarten gehört ebenso zur Clublegende des  Berghains wie elektronische Musik. Die soll es ab 23. März dann auch auf der neuen Tanzfläche geben. Indes keinen Mainstream, hier bleibt sich das Berghain treu, sondern einen Sound, der dem wohlbekannten Image des Clubs entspricht: dunkle, elektronische Klänge.