Dandy-Diary-Blogger eröffnen veganen Imbiss Dandy Diner in Neukölln

Update: Das erste Dandy Diner in der Karl-Marx-Straße wurde inzwischen bereits wieder geschlossen.

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Mit Dandy Diary betreiben David Roth (32) und Jakob Haupt (31) das wohl bekannteste Männermodeblog Deutschlands. Sie ecken gern an, zum Beispiel mit einem Modeporno zur Berliner Fashion Week oder einem Flitzer auf dem Laufsteg von Dolce & Gabbana in Mailand. Anfang des Jahres sorgte ein verzerrtes Videointerview mit Til Schweiger für Aufsehen, in dem die Wohnkollektion des Schauspielers daherkommt wie ein Herointrip.

Am kommenden Sonnabend eröffnen Roth und Haupt einen knallpinken, veganen Imbiss in der Neuköllner Karl-Marx-Straße: das Dandy Diner.

Herr Haupt, braucht Neukölln einen weiteren hippen Imbiss?

Ja, definitiv, deswegen gründen wir ihn ja! Weil wir als in Berlin lebende Trendveganer früher keinen Ort hatten, an dem wir gut essen konnten. Und nach fünf Jahren in der Modebranche müssen wir langsam wirklich mal was essen. Und das am liebsten an einem Ort, an dem wir abhängen können, an dem wir uns wohlfühlen und wo andere, mindestens genauso trendhörige Leute sind, wie wir.

Was sind denn Trendveganer?

Der ganze Veganismus ist ja ein Trend. David und ich waren ja nicht die ersten, die auf die Idee kamen, Veganer zu werden. 'Trendveganer' ist aber in der typischen Vegan-Szene ein Hasswort für neue Mitstreiter. Das verstehe ich gar nicht, man könnte sich doch freuen! Ist doch super, wenn noch jemand einen Chia-Pudding statt ein Antibiotika-Huhn isst. Viele Hardcore-Veganer sehen das aber nur als ihr Ding und erfassen gar nicht die Sache im Ganzen. Deswegen wählen wir bewusst das Wort 'Trendveganer', um die Leute ein bisschen zu nerven.

Was unterscheidet Ihren Imbiss von anderen veganen Restaurants?

Der Unterschied zu fast allen anderen veganen Läden in Berlin oder ganz Deutschland ist, dass es bei uns keine grün gestrichenen Wände, keine zusammengezimmerten Holzmöbel und keine Öko-Cola gibt. Man kriegt nicht automatisch so einen Weltverbessungsgong mitgeschlagen, sondern kann einfach vegan essen, als wäre es ganz normal. Du musst nicht vegan sein, um dich bei uns wohlzufühlen. Du kannst auch eine halbe Stunde vorher ein Steak gegessen haben oder eine Lederjacke tragen. Ist uns egal. Wir wollen nicht den moralischen Diskurs, es geht schlicht um gutes veganes Essen.

Wie wird das bei Ihnen schmecken?

Hervorragend! Meine Favoriten sind das scharfe Sandwich mit veganer Chorizo und der Chia-Pudding mit Beeren-Topping. Außerdem unser Acai-Bowl, das vegane Birchermüsli, die ganzen Frühstücksvarianten. Dazu haben wir Burger, Salate und Gebäck. Schnelles Essen, das aber nicht ungesund ist.

Warum wollen Sie als Modeblogger sich ausgerechnet in die Gastronomie-Branche erweitern?

Alles ist heute miteinander verwoben, Mode hat immer auch mit Essen, Kunst, Sport und allem zu tun. Es gibt gar keine Grenze mehr zwischen den verschiedenen Lebensbereichen. Wir sehen sie zumindest nicht. Modeblogger posten zum Beispiel ihr Mittagessen auf Instagram: Sie wollen nicht mehr nur einen Teil ihres Lebens mitteilen, sondern alle. Deswegen sehen wir das nicht als neue Branche, die wir erschließen, sondern als weiteres Standbein unseres globalen Dandy Diary Imperiums. Außerdem benutzen wir das, was uns an der Mode Spaß macht, auch im Diner.

Inwiefern?

Wir haben zum Beispiel Uniformen vom dänischen Designer Henrik Vibskov anfertigen lassen, dem aktuell wichtigsten skandinavischen Modemacher. Das Interior wurde vom Architektenteam "Studio Karhard" entworfen, das auch die Toiletten im Berghain gemacht hat. Das Berghain ist natürlich der wichtigste Ort in Berlin und wir haben gedacht, wenn wir schon nach dem Berghain den zweitwichtigsten Ort bauen - dann brauchen wir auch denselben Architekten.

Das ist also der Anspruch, ja?

Das ist natürlich der Anspruch! Was das Berghain für die Nacht ist, sind wir für das Abendbrot!

Wie sieht es denn im zweiten Berghain aus?

Wir haben eine sehr große, offene Küche. Eigentlich besteht die Hälfte des Diners aus Küche. Man kann auch in der Küche sitzen, quasi neben dem Koch, der den Burger zusammenbaut. Dazu haben wir einen großen, aus Beton gegossenen, pinken Tisch in der Mitte. An die Tafel passen pro Seite exakt elf Personen wie beim Abendmahl von Jesus Christus. Falls noch mal ein Messias kommt, kann er also bei uns essen, wir machen auch Neukölln-typisch einen guten Bruderpreis für ihn. Im Hinterzimmer steht außerdem eine silberne Couch, die mal Harald Glööckler gehörte, wir haben sie bei Ebay gekauft. Darauf werden dann auch die Schweine sitzen.

Schweine?

Ja, wir kaufen zwei Schweine, die werden fest angestellt als Mitarbeiter. Zwei kastrierte Männchen namens Svenja und Svenja. Das sind keine normalen Schweine, dafür wäre der Laden zu klein, sondern kleine Schweine, Microschweine. Svenja und Svenja werden bei uns leben. Bei uns werden Schweine nicht gegessen, sondern sind Teil des Teams. Deswegen zeigt unser Logo auch ein Schwein.

Ist es überhaupt erlaubt, Schweine so zu halten? 

Hmm, weiß ich nicht, die Frage stellen wir uns nicht. Im Innenhof haben wir einen Stall für sie, da haben sie einen kleinen Garten, indem sie leben können. Und ansonsten dürfen sie hingehen, wo sie wollen: Ins Büro, in den Garten, zu den Gästen - nur nicht auf den Grill.

In der Gegend rund um die Karl-Marx-Straße ist noch etwas vom alten Neukölln übrig. Wenn so eine hart gesottene  Kiez-Pflanze am Dandy Diner vorbeigeht, denkt sie doch, es sei ein Raumschiff gelandet, oder?

Ja, hoffentlich! Es wäre schön, wenn wir die Karl-Marx-Straße positiv verändern und bunter machen. Sie besteht bis jetzt zu 99 Prozent aus Dönerläden, Ein-Euro-Shops und Friseuren. Anders als die Hermannstraße oder die Sonnenallee hat die Karl-Marx-Straße in der Ecke noch nichts Gentrifiziertes, die ist noch richtig rough.

Ist das viele Pink in dem rauen Kiez das provozierende Element Ihres neuen Projekts? Irgendwem treten Sie ja gerne auf den Schlips...

Ich kann mir diesmal vorstellen, dass sich die alteingesessenen Dreadlock-Veganer an uns stoßen werden. Dem sehe ich aber relativ gelassen entgegen. Gespannt bin ich auch, wie die arabische Community auf unser Schweinchen-Logo reagiert. Unser Essen ist komplett halal - aber das Schweinchen-Logo eben eher nicht. Mal schauen. Wir laden jedenfalls hiermit alle Nachbarn herzlich zur Eröffnung ein.

Die Fast-Food-Konkurrenz in Neukölln ist groß, einige der angesagtesten Burgerläden sind nur wenige Hundert Meter entfernt. Schlagen Sie die?

Ja, natürlich! Bei uns ist ja alles viel gesünder und heller und toller und sexyer. Nach einem Abendessen bei uns sieht man außerdem direkt fünf Jahre jünger aus. Und wenn es einen Ort gibt, der so für Streetfood steht wie Neukölln aktuell, zieht das ja auch Kunden dahin. Ich glaube, dass wir die Ecke eher bereichern, weil es einen richtig guten veganen Laden da - und in Berlin generell - noch nicht gibt.

Dandy Diner, Karl-Marx-Straße 9, Menüs für 10 Euro. Eröffnung am Sonnabend, 16. April ab 20 Uhr mit DJ Set und Rapper Yung Hurn.