Auch an Feiertagen müssen viele Arbeiten erledigt werden. Es ist an der Zeit, den Menschen, die diese Jobs machen, danke zu sagen. 
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BerlinWie es denn gehe, fragt die Freundin neulich am Telefon. Wir haben länger nicht gesprochen. „Ganz gut“ antworte ich und müsste eigentlich „sehr gut“ sagen, denn ich mag die Wochen der Vorfreude auf das Fest mehr als das Fest selbst, und anders als bei vielen anderen waren sie nicht von Krankheiten und viel Stress belastet. Aber dann, als ob es zum guten Ton gehöre, jammere ich doch ein bisschen. Erzähle der Freundin von den vielen Texten, die noch zu schreiben sind bis zu den Feiertagen, an denen ich ja frei haben wolle, denn, so schließe ich, „nur weil Weihnachten ist, fallen ja die wöchentlichen Formate nicht aus“.

Überall ist etwas zu tun

Nur weil Weihnachten ist ... Ich denke an meine Worte, wenn ich Straßenbahn fahre, denn nur weil Weihnachten ist, bleiben die Menschen ja nicht alle zu Hause. Also müssen Bahnen, Busse und Taxen fahren, müssen Flugzeuge fliegen und Fähren übers Wasser setzen. Damit alles läuft, müssen an den Bahnhöfen, Flughäfen und Tankstellen Leute arbeiten, an den Schaltern, in den Imbissen und in den Zentralen. Und geputzt wird auch, denn nur weil Weihnachten ist, produzieren Menschen ja nicht weniger Schmutz.

Geputzt und alles schön gemacht wird auch in den Hotels und den Krankenhäusern, nur als Beispiel. In letzteren fällt vielleicht am deutlichsten nichts aus nur weil Weihnachten ist. Viele müssen sich kümmern um die Alten und Kranken. Es wird gestorben zu Weihnachten. Babys warten auch nicht bis zum Drei-Königs-Tag mit dem Rauswollen. Ärztinnen, Hebammen, Seelsorger, Rettungssanitäter und Polizistinnen, Feuerwehrleute und unzählbar viele Helfer, die nicht mal Geld dafür bekommen, arbeiten an diesen Tagen und Nächten, weil die Welt einfach nicht stillstehen will nur weil Weihnachten ist.

Weil Gästen und Patienten Betten gemacht werden müssen und auch die versorgt sein sollen, die kein Bett haben. Für die Weihnachten vor allem Frieren bedeutet. Oder Alleinsein. Ich denke an die Unterkünfte für Geflüchtete, viele von ihnen vermissen Angehörige, weil diese tot sind oder weit weg. Ferne Familien haben auch Tausende von Kindermädchen und Reinigungskräften und Kellnern, die in diesen Tagen arbeiten.

Sehr viele Berufe können Weihnachten nicht frei machen

Zeit für alle anderen, die aus verschiedensten Gründen einsam sind, nehmen sich Pastoren und Pfarrerinnen – auch für die Zehntausenden, die wenigstens einmal im Jahr in die Kirche gehen wollen. Weil Weihnachten ist. Und auf den Weihnachtsmarkt. Auch da arbeiten Menschen, kochen Glühwein, verkaufen Würste und Krimskrams und hoffen, für sich und alle, dass nicht wieder was passiert.

Und wenn was passiert, wollen alle das wissen und deswegen arbeiten auch viele Journalisten und müssen Politiker eventuell doch sehr schnell tätig werden und etwas sagen, damit alle besser damit klarkommen. Ich habe bestimmt etliche Berufe und Ehrenamtliche nicht genannt, aber auch ihnen widme ich diese Kolumne, lasse das Jammern über Arbeit im Advent und sage: Danke. Nicht nur, weil Weihnachten ist.