Da steht er, mitten in der Kirche. Das personifizierte Böse, der Inbegriff von Wut und Hass: Darth Vader, der dunkle Sith aus dem Star- Wars-Universum. Was will der hier, möchte man sich fragen. Wahrscheinlich das gleiche, wie der Kopfgeldjäger Boba Fett oder einer der Sandleute, nämlich einfach dem Gottesdienst folgen. Denn die evangelische Zionskirche stellte ihre Messe am vierten Advent unter das Motto Krieg der Sterne.

„Wir wollen den Spagat zwischen Lichtschwert und Kreuz wagen“, sagte die Vikarin Ulrike Garve zu Beginn des Gottesdienstes. Es gebe viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Christentum und der Geschichte von Star Wars. Um dies zu beweisen, wurden immer wieder Ausschnitte aus den alten Teilen der Filmreihe gezeigt.

Parallelen zwischen Luke Skywalker und Jesus

Zentral waren zwei Sequenzen aus dem sechsten Teil der Reihe „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, in der Luke Skywalker zunächst vergeblich versucht, seinen Vater Darth Vader wieder zurück auf die helle Seite der Macht zu ziehen. „Gott schaut hinter die Masken, die wir tragen“, hieß es vom zukünftigen Pfarrer Lucas Ludewig. Und Garve fügte hinzu, „Luke erstaunt mich, er sieht das Liebenswürdige, das Wertvolle und das Besondere. Er vertraut auf das Gute.“ So sei auch Jesus von Nazareth gewesen.

„Star Wars greift viele religiöse Motive auf und verarbeitete diese“, ist Ludewig überzeugt. Dies zeige, wie tief Kirche und Bibel in unserer Kultur immer noch verankert seien. Allerdings sind Themen wie Gut und Böse, Liebe und Hass, Mut und Angst, sowie Hoffnung und Verzweiflung nicht zwangsläufig religiös, sondern auch fernab des Glaubens ein immer wieder zu findendes, eigentlich menschliches Thema.

Dass der Gottesdienst genau an diesem Sonntag stattfand, war natürlich kein Zufall. Denn bereits am Donnerstag startete der siebte Teil der Saga mit dem Titel „Das Erwachen der Macht“ in den Kinos. „Der PR-Coup hat funktioniert“, befindet Peter Krug, der mit seiner Tochter zur Messe ging. Normalerweise gehe er sonst nur zur Weihnachtsandacht.

Eine volle Kirche

Mehr Menschen in die Kirche zu locken, genau das war auch eines der großen Ziele, sagt der Pfarrer in Ausbildung Ludewig. „Normalerweise kommen sechzig Menschen“, so der 30-Jährige. Heute jedoch war das Haus mit rund 500 Plätzen voll.

„Es ist schade, dass es ein Motto braucht, damit mehr Leute in die Kirche gehen“, sagt eine Besucherin. Sie gehe auch sonst in die Kirche, und befindet, dass es auch bei normalen Gottesdiensten gute Botschaften gibt. Peter Krug hielt die Verbindung von Christentum und Star Wars dagegen für angemessen. „Sie haben die Gratwanderung zwischen Oberflächlichkeit und Ernsthaftigkeit gut hinbekommen.“

Auch einer der Sandleute war zufrieden. Wie er konnte jeder der wollte, kostümiert erscheinen. Allerdings folgten nur wenige dem Aufruf, und dass, obwohl es Tickets für den neuen Star-Wars-Film zu gewinnen gab. Dank eines originellen Orgelspielers kamen dennoch auch abseits der gezeigten Filmszenen Star-Wars-Gefühle auf. Trotz des Erfolgs sind vorerst keine weiteren Gottesdienste dieser Art geplant.