Die Dienstwaffen der Polizei sind größtenteils alt. Jetzt werden sie nach und nach ausgetauscht.
Foto: Markus Wächter

BerlinDie meisten Berliner Polizisten tragen Dienstpistolen bei sich, die im Durchschnitt 35 Jahre alt sind. Und nur schleppend kommt die Ausstattung der Beamten mit neuen Waffen voran. Mit Stand 8. September waren erst 6428 von rund 16.500 Vollzugsbeamten mit neuen Waffen vom Typ SFP 9 der Firma Heckler & Koch ausgestattet. Dies antwortete Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage des innenpolitischen Sprechers der FDP, Paul Fresdorf.

Demnach hat die Polizei 24.725 neue SFP-9-Pistolen gekauft. Wie berichtet, begannen Anfang April vergangenen Jahres die ersten Schulungen an der Polizeiakademie. In den Lehrgängen werden die Polizisten mit den neuen Pistolen vertraut gemacht und damit ausgestattet. Ende nächsten Jahres soll die Ausbildung aller Polizisten abgeschlossen sein. Derzeit hat die Polizei noch 8.228 Dienstpistolen SigSauer P6 im Bestand. Das durchschnittliche Alter der P6 betrage 35 Jahre und das der SFP 9 weniger als ein Kalenderjahr, so Akmann. Die älteste SigSauer stammt aus dem Jahr 1980.

Allerdings glauben Beamte, die mit dem großen Waffentausch betraut sind, dass die Umstellung schon viel früher hätte abgeschlossen sein können. Schon bei der Bestellung der Waffen (Stückpreis wegen der Massenbestellung nicht 800, sondern 250 Euro) gab es Probleme: Eine neue Waffe muss vom Waffenmeister eingeschossen werden, bis man mit ihr genau treffen kann. Bei dieser sogenannten Anschussüberprüfung stellte sich aber heraus, dass nicht sieben sondern mindestens 60 zusätzliche Schuss nötig waren, um die Pistolen einzustellen. Somit verteuert sich das Einschießen der 24.725  neuen Waffen um mehrere Hunderttausend Euro. Ein Teil der Lieferung musste sogar zurückgeschickt werden.

Verzögerungen gab es nach Angaben von Beamten auch, weil der Auftrag für den Kauf der neuen Dienstwaffen erst spät ausgeschrieben wurde. Die Corona-Krise und der Umstand, dass viele Beamte keine Zeit für eine Schulung hätten, sorgten für zusätzliche Verzögerung. Nicht zuletzt seien die Übungskapazitäten eingeschränkt, weil vor Jahren viele marode Schießstände wegen hoher Schadstoffbelastung geschlossen wurden. Auch wenn Berlin derzeit neue Trainingsstätten baut, wird die volle Feuerkraft auf den Schießbahnen erst im nächsten Jahr wieder hergestellt sein.

„Bei so einem großen Waffenaustausch muss man auch die Infrastruktur für das Training zur Verfügung stellen“, sagt Paul Fresdorf. „Doch jetzt rächt sich, dass die Politik jahrelang die Schießstände vernachlässigt hat.“