Das Werderaner Baumblütenfest lockt tausende von Menschen in die Blütenstadt bei Potsdam.
Foto: dpa/Nestor Bachmann

WerderBei Nummer 140 war Schluss. Das 140. Baumblütenfest in Werder an der Havel endete am 5. Mai 2019. Zuvor hatten 300.000 Feierlustige zehn Tage lang die 25.000-Einwohner-Stadt   geflutet. Danach wurde bekannt, dass die Stadt bei einer bundesweiten Ausschreibung niemand gefunden hatte, der das Fest in der gewünschten neuen Form ausrichten will – nicht mehr als größtes „Suff-Fest“ in Ostdeutschland.

Die Stadt hatte sich nach mehr als zehn Jahren der ständigen Beschwerden das Ziel gesetzt, das größte Volksfest im Osten wieder zu einem stilleren und familientauglichen Fest zu machen. Doch die Abkehr vom umsatzkräftigen „Ballermann“-Image versprach den Organisatoren offenbar zu wenig Gewinn und niemand war bereit dazu. Also wurden die Feste für die Jahre 2020 und 2021 abgesagt.

Das Motto lautet: Zurück zu den Wurzeln

Doch nun ist klar: Auch im Mai des kommenden Jahres wird in Werder eine Art Baumblütenfest gefeiert. Das haben die Stadtverordneten am Donnerstagabend in Werder beschlossen. „Es steht dann unter dem Motto ’Baumblüte in den Höfen und Gärten“, sagte Stadtsprecher Henry Klix der Berliner Zeitung.

Das Fest hat seinem Ursprung darin, dass in der Stadt Werder - die bereits seit 200 Jahren gern als Obstgarten Berlins bezeichnet wird - jedes Jahr die Baumblüte gefeiert wird, dass vor allem die Berliner rausfahren, um mit süßem Obstwein den Beginn des Frühlings feiern. Dazu öffneten die Werderaner ihre blühenden Gärten, boten Schmalzstullen an, selbstgebackenen Kuchen und eigenen Obstwein.

Seit Jahrzehnten wurden auch ein großes Spektakel mit Rummel und Lärm und „Fressmeile“ veranstaltet. „Im nächstes Jahr heißt es definitiv: Zurück zu den Wurzeln“, sagte Klix. Es wird keinen Rummel geben, keine zentrale Festmeile, keine Buden.“

Eine Art Bürgerfest von unten

Aber etliche Einwohner und auch die Obstbauern wollen die Chance nutzen, ihre Gärten und Plantagen ganz traditionell zu öffnen. Es wird also ein sehr stilles Baumblütenfest, eines, dass vor allem die älteren Besucher freuen wird, die schon seit längerem gar nicht mehr in die Stadt kamen, sondern lieber mit dem Fahrrad zu den gedeckten Tafeln unter den Plantagenbäumen radelten. Kurz gesagt: Die Baumblüte wird dieses Mal eine Art Bürgerfest von unten.

Die Stadtverordneten bestätigten am Donnerstagabend ein entsprechendes Veranstaltungskonzept. Die Stadt wird einen gewissen Bereich in der Stadt absperren, damit Höfe und Gärten im Stadtgebiet von den Inhabern und Betreibern geöffnet werden können.  Auf der Bismarckhöhe soll es sogar eine Bühne geben.

Gleichzeitig läuft nun das umfangreiche Beteiligungsverfahren mit den Einwohnern weiter. Die zentrale Frage ist: Wie soll das Fest künftig aussehen. Dafür waren nach einem Arbeitspapier der Stadt ursprünglich zwei Jahre vorgesehen. Doch dann gab es heftigen Protest, weil die zentralen Feste 2020 und 2021 ausfallen sollten.

2021 soll wieder zentral gefeiert werden

Nun wird die Denkpause verkürzt. Nun sollen die Bürger weiter über das Internet über ihre Vorstellungen befragt werden. Daraus soll ein Konzept entwickelt werden, das dann mit Mai kommenden Jahres – in jenem Monat, in dem das zentrale Fest ausfällt – von den Stadtverordneten beschlossen wird. Dann wird die Organisation des Festes ausgeschrieben, damit der Zuschlag noch rechtzeitig erfolgen kann, damit es 2021 wieder ein zentrales Fest geben kann.

In welche Richtung es geht, ist bereits zu erahnen. Stadtsprecher Klix sagte, dass sich bei der Online-Befragung der Bürger abzeichnet, dass es keine Mehrheit dafür gibt, dass die Baumblüte in der bisherigen Form als Großspektakel weitergeführt wird.

Wie groß das Fest 2020 werden wird, ist noch völlig offen. Noch ist auch nicht geklärt, ob diese stille Feierwoche dann in die Reihe der offiziellen Baumblütenfeste aufgenommen wird oder ob Fest Nr. 141 erst im Jahr 2021 folgt.