Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Berliner lehnen eine Diktatur ab und sind grundsätzlich von der Demokratie überzeugt. Das geht aus einer Studie der Universität Leipzig im Auftrag der Senatsverwaltung für Antidiskriminierung hervor. Nun die schlechte Nachricht: 23 Prozent der befragten Berliner wünschen sich eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert. Ein Fünftel denkt, die Bundesrepublik sei durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet. Ein Fünftel findet auch, dass Politiker und andere Führungspersönlichkeiten nur Marionetten der dahinterstehenden Mächte seien. Ebenso viele glauben, die Corona-Krise sei groß geredet worden, damit wenige profitierten.

In Berlin sind diese Zahlen etwas geringer als im gesamten Bundesgebiet. Und sie zeugen davon, dass die übergroße Mehrheit, nämlich 73 Prozent, mit der Demokratie, wie sie in Deutschland existiert, „alles in allem zufrieden“ sind. Für 79 Prozent wäre es auch kein Problem, wenn ihre Kinder einen Partner anderer Hautfarbe heiraten würden.

Doch es bleibt eben ein großer, nicht zu vernachlässigender Teil, der völkisch und rassistisch denkt. Außerdem tritt Rassismus auch verdeckt auf und schlägt sich nicht unbedingt in Umfragen nieder. Beunruhigend groß ist auch der Anteil jener Menschen, die anfällig sind für Verschwörungstheorien. Zurzeit ist es für sie Corona, wofür sie obskure dunkle Mächte verantwortlich machen. Wer das glaubt, muss keineswegs Rechtsextremist sein. Verschwörungsglaube reicht bis tief in die Mitte der Gesellschaft. Doch ist Verschwörungsmentalität, wie in der Studie richtig angemerkt ist, ein Tor zu rechtsextremen und antidemokratischen Einstellungen. Das alte Bedürfnis, einen Sündenbock allen Übels zu finden, ist nach wie vor groß – nicht nur bei klassischen Neonazis.