Berlin - Vor einem Jahr habe ich hier mal das Coronavirus zu Wort kommen lassen. Es war noch ziemlich neu in der Stadt. Seitdem ging es mit der Pandemie auf und ab und auf. Und das Virus hat sich gut an uns gewöhnt. Es hat sogar ein bisschen Berlinisch gelernt. Hier ist der Beweis:

„Hallöchen, jawoll. Ick sprech jetz ooch’n bissken wie ihr. Ick finde euch janz supa. Wenn ihr nich so ville meckan würdet. Zum Beispiel üba meene janzen Nichten und Neffen, die ihr Varianten nennt und die janz komische Namen von euch jekricht ham: B.1.351 oder P.1 oder B.1.1.7.

Wie langweilich! Warum jebt ihr uns keene Namen wie ‚Spiky-Miky‘, ‚Infektissimus‘ oder ‚Krönchen-Queen‘ (weil aus England)? Dit wäre doch lustig. Meene Nichten und Neffen sind nämlich supa fit und in janz ville Hälse untawegs, nach dem Motto: ‚Der Fittichste tut überlehm!‘, wat euer Darwin gesacht hat. Den kenn ick von die Compjutaviren. Die sausen ja den janzen Tach durch eua Intanet.

Wat ihr Evoluzjon nennt, dit machen wir in een paar Monate. Habt ihr übahaupt Evoluzjon? Ick sehe nüscht. Ick weeß nur, wat bei euch evoluzjoniert: die flachen Dinga, die ihr euch ant Ohr oder vor de Neese haltet. Da jibt et imma neue von. Ick weeß et, weil ihr da ständich druff rumtatscht und reinquatscht – und über eure Quasselwolke kann ick mir schön vabreiten.

Eijentlich seid ihr jerade mal so semi-fit. Et jibt Leute von euch, die sagen, det ick jar nicht existieren tu, weil se mir nich sehen. Klar, wenn ick zehn Meter groß wäre, dann könnt ick eure Autos zermalmen. Oda gleich in so ’ne Demo von euch rinballern. Aba wozu? Ick bin ja gerade so erfolgreich, weil ick so kleen bin und ihr so doof. Uff’n Querschnitt von een Haar von euch passen 80.000 von mir ruff. Dit muss man sich ma vorstellen.

Ansonsten bin ick jenau wie ihr. Meen Motto is: Wachstum! Wachstum! Wachstum! Virus heckt Virus. Bei euch heißt et: Jeld heckt Jeld. Dit hat der andere Typ mit dem Zauselbart jesacht – nich Darwin, sondern Marx. Ooch dit weeß ick von de Compjutaviren.

Wenn ick zwanzich Leute anstecke statt zehne, dann hab ick ’ne größere Chance, mir imma schön weitazuverbreiten. Wat danach mit de Leute passiert, is mir egal. Ihr reecht euch darüber uff, aber ihr macht et doch genauso. Wenn ihr irgendwat erobert oder besiedelt, is euch ooch ejal, wat mit de Leute jeschieht, die dort schon lehm. Ville von euch können den Hals nich voll jenuch kriejen, aba wenn dann plötzlich mal een Virus drin is, is dit Jeschrei groß!

Ick bin jenauso wie ihr. Ick hab keen Plan und sause umher, wie et jerade kommt. Seh ick irjendeene Neese, hüpp ick rin. So macht ihr dit ooch. Eure sojenannten Politiker ham ooch keen Plan. Darüba hab ick mal’n kleenet Namens-Wortspielchen jemacht, weil ihr ja immer Spaß an wat Lustijet habt:

Ej, da kommt ja Wieler det böse Virus. Die Warnungen plätschern unablässig, wie een Lauterbach. He, ihr Politiker: Brinkmann schnell een paar Impfstoffe her! Wat? Wie? Warum so wenich? Ach, Laschet einfach sein! Politiker könn wa uns Spahn.“