Homeoffice (Symbolbild)
Foto: dpa/Nicolas Armer

BerlinAm Montagmorgen schulterte meine Tochter zum letzten Mal ihren Schulrucksack. Wegen Corona sind ab Dienstag alle Berliner Schulen zu. Für fünf Wochen. Erstmal.

Meine Tochter ist 13 und besucht die 7. Klasse eines Kreuzberger Gymnasiums. Ihr „Tschüss, Mama“, klang irgendwie ernst, und die Wohnung ist nun so still wie wahrscheinlich lange nicht mehr. Von morgen an werden wir beide im Homeoffice arbeiten. Den ganzen Tag lang. Das Baskettballtraining meiner Tochter findet nicht statt, die Orchesterproben sind abgesagt.

Als die Nachricht kam, dass die Schule schließen würde, hatte sie noch triumphiert. Aber bald wurde ihr klar, dass es keine Ferien sind, die jetzt anbrechen. Und dass sie die Zeit zu Hause mit mir teilen wird, weil die Redaktion der Berliner Zeitung beschlossen hat, dass möglichst viele Redakteure von zu Hause aus arbeiten sollen. Keine gute Perspektive für eine Teenagerin in der Pubertät, die auf die Frage, wie sie den Tag zu verbringen gedenke, antwortet: „Möglichst weit weg von euch.“ Damit sind wir gemeint, die Eltern.

Die Schule ist auf Fernunterricht erstaunlich gut vorbereitet. Sie arbeitet mit digitalen Tools wie „Lernraum“ und „Teams“, einer Plattform, mit deren Hilfe man virtuelle Lerngemeinschaften einrichten, Besprechungen und Chats abhalten kann. Sie sind allerdings nicht die einzigen, die auf die Idee kommen. In Österreich funktioniert „Teams“ nicht mehr, weil es überlastet ist.

Es wird auf Home Schooling hinauslaufen

Dass es ohne Elternhilfe nicht gehen wird, wurde durch eine E-Mail der Klassenlehrer klar. Auch von zu Hause aus könne man mit Unterstützung einiges lernen, hieß es. Es wird also auf Home Schooling hinauslaufen. Damit haben wir nicht so gute Erfahrungen. Wenn ich mit meiner Tochter Französisch-Hausaufgaben mache, endet das mit Geschrei oder Tränen. Wahrscheinlich hat sie deshalb meinen Vorschlag abgelehnt, eine Fünfergruppe aus ihren Freundinnen zu bilden, die sich jeden Tag in einer anderen Wohnung trifft. Sie traut ihrer Mutter nicht. Dabei habe ich die allerbesten Vorsätze.

In den sozialen Medien gibt es Tipps: Gemeinsame Spiel- und Bewegungspausen solle man machen, in Stressphasen Kinder auch mal einen Film schauen lassen. Ein Mann entmutigt: Wer Homeoffice als Kinderbetreung versteht, hat weder Homeoffice noch Kinderbetreuung richtig verstanden, schreibt er.

Welche Herausforderungen auf uns zukommen, macht auch die Nachricht eines Elternvertreters aus der Schule meiner Tochter klar: Er habe Freunde in China, die seit sieben Wochen Home Schooling praktizieren. Deren wichtigster Rat: den Kindern einen geregelten Lern-, Arbeits- und Tagesablauf zu organisieren. „Die Gefahr des Mal-Laufen-Lassens ist groß.“ Uns steht ein spannendes soziales Experiment bevor.

Wegen der Corona-Krise arbeiten die Redakteure der Berliner Zeitung ab sofort im Homeoffice. An dieser Stelle berichten sie von ihren Erfahrungen. Morgen: Anja Reich, ohne Mann und ohne Schreibtisch im Bötzowviertel.