Das Gaslaternenmuesum soll nach Kreuzberg umziehen

Sie tragen schöne und zugleich beeindruckende Namen wie Grand Lyro Paris, Bischofsstab oder Großer Galgen. Es sind die Bezeichnungen für historische Gasleuchten, die im Großen Tiergarten in Berlin-Mitte in einer Open-Air-Ausstellung stehen. Zu bewundern sind aber oft nur noch die gusseisernen Säulen, die Leuchten selbst fehlen: Abmontiert, vor Vandalismus in Sicherheit gebracht oder tatsächlich zerstört wie die Lampe Nummer 66 aus Brüssel gleich neben der Unteren Schleusenbrücke. Auch von der gut hundert Jahre alten Lampe gegenüber aus London – auf dem Sockel sind Wappen und Inschrift der City of Westminster gut zu erkennen – fehlt der Aufsatz.

Kurz: Das Gaslaternenmuseum ist in einem erbärmlichen Zustand. Von den fast 100 Lampen aus 25 deutschen sowie 11 europäischen Städten sind mehr als ein Dutzend kaputt. Doch für eine Reparatur an diesem Standort will der Berliner Senat kein Geld mehr ausgeben. Ihm erscheint offenbar das Risiko zu hoch, dass die einmalig Sammlung gleich wieder zerstört werden könnte.

Seit 1978 gibt es das Gaslaternenmuseum. Der damalige Bausenator Harry Ristock hatte es eingeweiht, Lampenmodelle von 1826 bis in die 1950er-Jahre werden im Tiergarten gezeigt. Doch nun verfolgt der Senat eine andere Idee: Die Gasleuchten werden abgebaut, das in Kreuzberg ansässige Deutsche Technikmuseum übernimmt die Ausstellung und rekonstruiert die Lampen. Anschließend werden die Gasleuchten auf dem Freigelände des Technikmuseums aufgebaut. Frei zugänglich und kostenfrei zu besichtigen wäre die Ausstellung dann jedoch nicht.

Bezirksbürgermeister will Umzug nicht

Dieses Szenario will Christian Hanke (SPD) verhindern. Er ist Bürgermeister in Mitte. „Ohne Not wird ein Ort aufgegeben, der international in den Stadtführern steht.“ Hanke befürchtet, dass im Technikmuseum viele Lampen in einem Depot verschwinden und ihre touristische Wirkung verlieren. Auch Tourismus-Chef Burkhard Kieker will das Museum lieber im Tiergarten belassen.

Hanke hat nun einen Brief an Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel geschrieben. Ja, das Freilichtmuseum sei in einem trostlosen Zustand, die Hälfte der Laternen sei reparaturbedürftig, so Hanke. Aber nicht etwa wegen Vandalismus-Schäden, sondern „ausschließlich wegen fehlender Wartung“.

Erinnert sei allerdings an den Oktober 2008, als 19 Gasleuchten zerstört wurden, die Täter wurden nie ermittelt. Die Rekonstruktion dauerte über ein halbes Jahr. Hanke fordert den Senat auf, die Gaslaternen zu restaurieren und im Tiergarten stehen zu lassen: „Das Museum wurde als kostenloses Freilichtmuseum konzipiert.“