Der Frühling ist da, die Natur erwacht, die Bauern bestellen wieder die Felder – und für all das sind die Bienen wichtig, denn sie bestäuben fast alle Blumen, Ackerpflanzen und Obstbäume. Ganz entscheidend für ein Bienenjahr ist stets, ob die Tiere die lange Winterruhe in den Bienenstöcken gut überstanden haben – und wie viele von ihnen gestorben sind. Der vergangene Winter war mal wieder vergleichsweise mild, und das lässt die Imker meist nichts Gutes ahnen.

Sie haben offenbar recht. In anderen Jahren sind es meist 10 oder 15 Prozent der Völker, die den Winter nicht überleben. „Doch dieses Mal zeichnet sich ab, dass in Brandenburg bis zu 40 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überstanden haben könnten“, sagt Holger Ackermann vom Brandenburger Imkerverband.

Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Dies seien die Schätzungen, die sich aus den Meldungen der Imker über ihre Verluste ergeben. Wenn in den kommenden Wochen die Kirschblüten in voller Pracht stehen und die meisten Völker ausschwärmen, können die Imker genauere Aussagen treffen.

Parasiten saugen Nachwuchs aus

Wie wichtig Bienen sind, wird oft übersehen. Denn das Entscheidende ist nicht der Honig, sondern ihre Bestäubungsleistung: Weil Bienen 80 Prozent aller Pflanzen bestäuben, gelten sie nach Rind und Schwein als drittwichtigstes Nutztier für Menschen.

Das Problem ist aktuell, dass gleich mehrere Dinge zusammenkommen, die den Bienen beim Überwintern zu schaffen machen. Das eine sind die Varroa-Milben – sie sind nicht mal zwei Millimeter groß und sehen aus wie winzige Zecken. Diese Milben befallen ausgerechnet jene Zellen im Bienenstock, in denen die Bienen ihre Brut ablegen. Die Parasiten vermehren sich in diesen Zellen prächtig, saugen dort die Bienenlarven aus oder fressen den Bienennachwuchs an und sorgen so für verkrüppelte Flügel.

Ein zusätzliches Problem sind die milden Winter. Normalerweise produzieren Bienen bei Frost keinen Nachwuchs mehr, doch da es in diesem Winter mild war, ging die Fortpflanzung ungestört weiter. Je mehr Nachwuchs produziert wurde, umso mehr Milben waren da, denn diese vermehren sich nun mal in den Brutzellen des Nachwuchses.

Totalverlust

Verbandssprecher Holger Ackermann ist Hobbyimker und hauptberuflicher Möbeltischler. Bei ihm haben nur sechs von 26 Völkern den Winter überstanden. Er hatte sie extra an vier verschiedenen Standorten aufgestellt. „An zwei Standorten hatte ich einen Totalverlust.“

Hinzu käme noch das Problem mit den Pflanzenschutzmitteln, sagt Ackermann. Das sei bei der Internationalen Bienenkonferenz noch einmal klar geworden, die vergangene Woche in Berlin stattgefunden hat. „Früher gab es Pflanzenschutzmittel, die auf Bienen sofort tödlich wirkten“, so Ackermann. Heute sei eine solche direkte Wirkung nur sehr selten nachweisbar.

Pflanzenschutzmittel mischen sich

Es gibt aber Gifte, die zwar nicht gleich töten, die sich aber in den Bienen ablagern, so dass die Bienen geschwächt in den Winter gehen und viel früher sterben. „Dazu kommen Wechselwirkungen verschiedener Stoffe“, sagt Ackermann. Er nennt ein Beispiel: Ein Bauer bringt ein Pflanzenschutzmittel auf die Felder, das ungefährlich ist für Bienen, und später noch ein anderes, das ebenfalls ungefährlich ist. Die Bienen tragen die Gifte mit den Blumenpollen in ihre Baue und lagern alles für den Winter als Nahrung ein. „Erst wenn sie die Stoffe später zusammen aufnehmen, wirken sie schädlich“, sagt er. „Das heißt: Zwei Mittel, die allein eigentlich ungefährlich für Bienen sind, können zusammen tödlich sein.“

In Hohen Neuendorf (Oberhavel), in einem schön sanierten alten Bürgerhaus, wird geforscht, wie das Problem mit dem Bienensterben anzugehen ist. Im Länderinstitut für Bienenkunde ist Kaspar Bienefeld der Chef. Er geht davon aus, dass das Problem mit den Varroa-Milben in Zukunft größer wird. „Wegen des Klimawandels wird es wohl weiter milde Winter geben und damit steigt auch das Problem mit der Varroa-Milbe“, sagt er.

Nur noch zwei dominante Rassen

Bienefeld erzählt, dass es den Forschern vor allem darum geht, jene Bienenköniginnen herauszufinden, deren Nachkommen besonders gut gegen die hoch gefährliche Varroa-Milbe vorgehen. „Denn einige wenige Bienen räumen die Brutzellen, die von der Milbe befallen sind, von ganz allein aus“, sagt er. „Aber es sind nur 0,5 Prozent aller Bienen. Und wir suchen nach jenen Bienen, die genau dieses Verhalten haben.“

Der Institutsleiter sieht noch ein weiteres Problem: Weltweit gab es bis vor einigen Jahren etwa zehn große Bienenrassen. „Inzwischen sind es nur noch zwei Rassen, die dominant sind, die von den Imkern bevorzugt gekauft werden und die anderen immer mehr verdrängen.“ Das sei gefährlich. „Denn es kann sein, dass die Rassen, die nun verdrängt werden, oft viel besser angepasst wären an die Veränderungen durch den Klimawandel. Wir verlieren derzeit ein Potenzial, das wir später noch bräuchten.“