Das Hofbräu am Alexanderplatz: Kellner berichtet über Berufsalltag

An dieser Stelle berichten Berliner über ihren Berufsalltag. Heute: Roman Bauer. Der 41-Jährige arbeitet im Hofbräu Berlin am Alexanderplatz, wo er Haxenteller oder Biermaßen zu den Gästen trägt, manchmal bis zu 25 bis 30 Kilogramm pro Tour.

Das Hofbräu am Alexanderplatz ist, wie es auf der Webseite des Wirtshauses heißt, „ein Stück bayerische Lebenskultur im Herzen der Hauptstadt“, und so wurde auch hier das Oktoberfest gefeiert. Das Haus war immer bis auf den letzten Platz besetzt. „Aber im Hofbräu Berlin,“ sagt Roman Bauer, „findet es eigentlich das ganze Jahr über statt, an jedem Tag.“ Der 41-Jährige sieht tatsächlich nicht so aus, als ob er jetzt Urlaub bräuchte.

Wiener Schnitzel, Weißwürste, Kaiserschmarrn

An diesem Tag ist es erst kurz nach zehn Uhr, das Hofbräu hat gerade geöffnet und das Personal der Frühschicht trägt schon die „Dienstkleidung“: die Damen das Dirndl, die Herren ein weiß-blau kariertes Hemd zur Lederhose. Auch Roman Bauer hat sich umgezogen. Der Exil-Wiener versteht sich als „Restaurantfachmann“ vor.

Als solcher ist er hier in Spitzenzeiten für sechs bis acht Tische zuständig, mit jeweils zehn Plätzen – und jongliert dann vom Tresen oder der Küche zu seinen Tischen halbe und ganze Maßen, Wiener Schnitzel, Weißwürste, Kaiserschmarrn und vor allem Haxen. Elf Haxen-Teller passen auf den Schlitten, das Tablett, oder 14 Maßen, also Ein-Liter-Gläser. So kommen schnell 30 Kilogramm zusammen.

Ein Kindheitstraum

Solche Gewichte sind nicht die einzige Herausforderung für die Angestellten. Das Wirtshaus ist ein hoher, riesiger Raum, in dem lange Holztische und -bänke dicht an dicht stehen, was das Durchkommen für Kellner oder Kellnerin bei vollem Haus nicht einfach macht. Schallschluckende Raumteiler gibt es nicht und so wird es ziemlich laut, wenn das Haus mit seinen 3000 Plätzen drinnen und 500 Plätzen im Biergarten voll besetzt ist, eine Live-Band Volksmusik schmettert und mit dem Alkoholpegel die Stimmung der Gäste steigt. „Das macht mir nichts aus“, sagt Roman Bauer. „Ich liebe Halligalli.“ Außerdem habe er hier als Österreicher so ein heimatliches Gefühl – und arbeitet auch deshalb so gern im Hofbräu.

Tatsächlich wollte Roman Bauer schon als Kind in die Gastronomie. „Das lag in der Familie, das steckt mir im Blut“, sagt er. „Schon meine Großeltern haben in dieser Branche gearbeitet.“ Also hat er in Wien nach der Schule seine Ausbildung zum Koch und eben Restaurantfachmann gemacht.

Das reinste Party-Haus

Nach Berlin kam er vor fünf Jahren der Liebe wegen: Bei einem Ski-Urlaub in der Schweiz hatte er seine Frau kennengelernt, die in Berlin wohnte. Am Anfang war das eine Fernbeziehung. Aber sie hielt. Und als er bei einem seiner Besuche in der Stadt dann mit Frau und den Schwiegereltern mal einen Abend im Hofbräu am Alexanderplatz verbrachte, wusste er gleich: „Wenn ich nach Berlin ziehe, will ich hier arbeiten.“ Bauer weiß noch heute, wo er damals gesessen hat. „An Tisch 148, vorn am Fenster, rechts.“

Das Hofbräu sei zu jeder Zeit das reinste Party-Haus, sagt er. Es gehe immer hoch her. Dennoch mag es nicht besonders, wenn Gäste ihn mit Hallo heranrufen oder gar pfeifen. Das ist respektlos, sagt er. Als er in der Gastronomie anfing zu arbeiten, sei man noch mit: „Entschuldigen Sie bitte, Herr Ober ...“ gerufen worden.

Nicht gerade familienfreundlich

Wenn der schlacksige Blonde mit Wiener Dialekt erzählt, kauft man ihm seine Begeisterung für seinen Job rundweg ab – auch für lautstarke Meisterschaftsfeiern, Junggesellenabschiede und die Herausforderungen beim Oktoberfest. „Jeder neue Tag ist für mich wie ein neuer Film“, sagt er. Dabei hat er inzwischen einen kleinen Sohn und familienfreundlich ist ein Job im Hofbräu sicher nicht. Das Haus hat – außer am 24. Dezember – an allen Tagen geöffnet, von zehn bis ein Uhr, freitags und sonnabends sogar bis zwei Uhr nachts.

Hat Bauer Spätschicht, kommt der junge Vater erst spät in der Nacht nach Hause. Dann schaut er fern oder liest österreichische Zeitungen, schläft ein paar Stunden und bringt seinen Sohn in den Kindergarten.

Reservierungen für Oktober 2019

Meist muss er am Nachmittag wieder los, weil er oft Dienst in der Spätschicht macht, also in der Zeit am Tag, wo es am turbulentesten im Wirtshaus zugeht. „Man braucht ein lautes Organ, man muss abschalten können und nur auf die Bestellungen hören“, so erklärt er die Voraussetzungen für seinen Job.

Als nächstes wird im Haus Halloween gefeiert, doch im Grunde freut er sich schon auf das nächste Oktoberfest. „Die Leute reservieren jetzt schon für Oktober 2019.“ Auch ihren Urlaub verbringt die Familie übrigens keineswegs ruhig und besinnlich: Da geht es jedes Jahr zum Skifahren nach Sölden, einem Ski-Weltcup-Ort, wo eine Aprés-Ski-Hütte an der anderen steht.