Nach dem Feuer: das rußgeschwärzte Haus in der Neuköllner Jahnstraße.
Foto: Sabine Gudath

BerlinDas einmonatige Hostel-Leben gehört der Vergangenheit an. Die Bewohner des Hauses Jahnstraße Ecke Buschkrugallee in Neukölln sind in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Dort stehen die Familien nun vor großen Renovierungsarbeiten. Ein mutwillig gelegtes Feuer hatte das Haus unbewohnbar gemacht. 

Ali und Mohammed rollen die Tapete auf dem Tapeziertisch aus und holen die Farbeimer hervor. Die meisten Räume ihrer Wohnung im vierten Stock sind bereits frisch gestrichen. Im Wohnungsflur stapelt sich Parkettboden, den es zu verlegen gilt. „Wir mussten die Materialien zum Renovieren alle selbst zahlen. Zum Glück sind wir versichert“, sagt Ali. Von der Hausverwaltung gebe es kaum Unterstützung.

In der Nacht zu Montag, den 13. Juli, standen acht Autos und zwei Motorräder in der offenen Tiefgarage hinter dem Wohnhaus in Flammen. Der Brand ließ auch die Fassade des Hauses sowie Räumlichkeiten der Bewohner nicht unversehrt. „Alles war schwarz, es kam sehr viel Rauch rein. Wir sind rausgerannt, als wir den Rauch bemerkt haben“, sagt Lilijana, Alis jüngere Schwester.

Da das Haus von einem Statiker als einsturzgefährdet eingestuft wurde, konnten die rund 120 Bewohner nicht mehr in ihre Wohnungen zurückkehren und mussten fortan in einem Hostel leben. Die Familie von Ali umfasst sieben Personen, alle haben die Zeit im Hostel zusammen in einem Zimmer verbracht. „Am meisten freue ich mich jetzt wieder auf ein eigenes Zimmer“, sagt Mehde, ein jüngerer Bruder von Ali.

Fast alle Möbel und viele Erinnerungsstücke sind durch den Brand so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass sie entsorgt werden mussten. Mehde vermisst einen Großteil seiner Klamotten. Alis Katzen, Paris und Prada, haben das Feuer dagegen überlebt. Ali schätzt, dass die Familie für die Renovierungsarbeiten rund eine Woche braucht. Auch wenn die meisten Wände schon wieder weiß sind, liegt der Geruch von Ruß und Rauch noch immer in der Wohnung und dem Haus.

Für die Katastrophe verantwortlich sein soll ein Brandstifter (32), der von der Polizei am Freitag nach dem Feuer gefasst werden konnte. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl erlassen. Der wegen verschiedener Delikte polizeibekannte Mann soll kein politisches Motiv gehabt haben. Trotz der bald neu renovierten vier Wände fühlt sich Alis Familie nicht mehr wirklich sicher in ihrer Wohnung. „Man hat immer noch Angst, hier zu schlafen“, sagt Lilijana. Mehde ergänzt: Wir würden lieber in eine andere Wohnung umziehen. Aber in Berlin eine Wohnung zu finden, ist alles andere als leicht.“