Von wegen staubig und still: Das ganze Leben tobt in einem Buchladen. 
Foto: Imago Images

Ich arbeite seit einiger Zeit nicht nur als Journalistin, sondern auch in einer kleinen Buchhandlung. Es versetzt mich jede Woche in helles Erstaunen, wie das ganze knallpralle Leben sich auf diesen paar Quadratmetern abspielt. Dabei erzählen gar nicht alle Kunden viel. Doch wie beredt sind ihre Bewegungen, ihre Mimik, Gestik – und erst ihre Auswahl und ihre Fragen.

Im Beratungsgespräch zwischen Buchtiteln und Lektüreerfahrungen wird mir von Todesfällen, Scheidungen und Geburten berichtet. Ich erlange Kenntnis von Männern, die kochen lernen wollen, und ganzen Familien, die vegan werden. Ich erfahre, dass es angeblich Dreijährige gibt, die schon lesen können, und Siebenjährige, die daran scheitern. Ich bekomme bestätigt, dass die Herren der Schöpfung, jedenfalls vor dem  Rentenalter, eher zu dunklen Covern greifen und Frauen zu helleren, fröhlichen Motiven. Kinder müssen auf Hochzeiten mit Ausmalbüchern beschäftigt werden und manchmal Geschwister zwischen drei und acht sich ein Buch teilen. Für mehr reicht das Geld nicht. Für mehr reicht das Geld nicht. Da ist guter Rat teuer, kosten tut er nix. Wenn wir gar nicht weiterkommen, verweise ich an die Bücherei gegenüber.

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