„Der Nächste bitte!“ Warten beim Friseur in Schöneberg.
Foto: Markus Wächter

BerlinAm Montag haben viele Friseure ihre Salons nach wochenlanger Schließung wegen der Corona-Pandemie wieder geöffnet: Ein weiterer kleiner Schritt zurück zur Normalität. Viele Haarstylisten hatten vorher ihre Stammkunden angerufen oder Termine online vergeben. „Ich weiß von den Kollegen, dass alle gut zu tun und volle Terminbücher haben“, sagte Jan Kopatz, Obermeister der Berliner Friseur-Innung. Doch es gibt auch viele Betriebe, die spontan Kunden annehmen. So oder so habe die Branche mit einem „riesigen Ansturm“ gerechnet, ergänzte der Sprecher der Handwerkskammer, Daniel Jander. Und die Branche sollte recht behalten. Auch die Friseure und Kunden müssen Masken tragen, da sich der Sicherheitsabstand von 1,50 Meter beim Schneiden nicht einhalten lässt. Zu den weiteren Hygieneregeln gehört, dass zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen 1,50 Meter Abstand eingehalten werden muss. Sogenannte gesichtsnahe Dienstleistungen wie Wimpernfärben oder Bartschneiden sind vorerst tabu.

Beim Cut Man in der Hauptstraße in Schöneberg – Werbespruch „Rettet die Welt vor schlechten Frisuren“ – herrschte am Montagvormittag jedenfalls großer Andrang. Hier gibt es keine Terminvergabe. Also standen am Montagvormittag  fast ein Dutzend Kunden draußen im leichten Nieselregen. Kundin Gudrun Herrmann nahm es auf sich. „Es ist schon dringend“, sagt die 70-Jährige und zeigt auf ihren Haarschopf. Sie wollte schneiden und färben lassen.

Ähnlich ging es um die Ecke bei der Haarwerkstatt in der Akazienstraße zu. Dort zieht man eine Nummer und wartet. Wie Paul Schmitz. Der 28-jährige Triebwerksingenieur hat genug Zeit. Er ist wegen eines Armbruchs krankgeschrieben. Endlich Gelegenheit zum Friseurbesuch. Der letzte, schätzt der junge Mann, „ist so vier bis fünf Monate her“. Deutlich weniger Betrieb als bei den Friseuren herrschte bei den Museen – auch diese durften erstmals seit März wieder öffnen.

Vor allem private Museen machten mit und hatten sich dafür zum Teil professionell auf Corona-Bedingungen eingestellt. So sollen beim Spionagemuseum am Leipziger Platz die Besucher online Tickets für eine feste  Uhrzeit kaufen, damit Besucherströme kanalisiert und Wartezeiten minimiert werden. Außerdem sollten sich maximal 150 Personen gleichzeitig in der 3000 Quadratmeter großen Ausstellung aufhalten.

Tatsächlich aber war am Montag fast nichts los. Eine Stunde nach Öffnung verlor sich gerade einmal ein halbes Dutzend Besucher zwischen den Trick-Gimmicks, die einen ganz weiten Bogen nachrichtendienstlicher Tätigkeit von den alten Ägyptern bis heute schlagen.

Für Vadim Snurnikov aus Prenzlauer Berg ist am Montag eine lange Leidenszeit zu Ende gegangen. Er gehe normalerweise jedes Wochenende ins Museum, sagt der Sparkassenangestellte. Nun habe er geschaut, was offen ist – und stieß auf das Spionagemuseum. „Das fehlte mir noch“, erklärte er und freute sich über den „intellektuellen Input“, auf den er während des Corona-Shutdowns verzichten musste. Als nächstes hat er sich das Palais Barberini in Potsdam vorgenommen.

Eher ungeplant war der Besuch von Tayfun Görgülü, der mit einer Bekannten unterwegs war. „Wir wollten eigentlich in den Zoo. Aber bei dem Wetter sind wir hierher gegangen“, erzählt der gebürtige Hamburger, der seit drei Jahren in Berlin wohnt. „Zum Glück. Ist doch ganz spannend hier.“

Bei Kathleen Kohlmeyer war die Fahrt zum Leipziger Platz „ein spontaner Entschluss“. Eigentlich wollte sie zu dieser Zeit auf Mallorca wandern. Das fiel Corona-bedingt flach. Doch weil der Urlaub genommen war, gibt es viel Zeit. Und diese will die junge Frau nun jeden zweiten oder dritten Tag im Museum verbringen.

Das wird zunächst hauptsächlich in privaten Museen möglich sein. Die städtischen Häuser wie das Naturkunde- oder das Stadtmuseum aber auch die staatlichen Museen auf der Museumsinsel lassen sich noch Zeit. Vorher wollen auch sie ihre Einlasssysteme Corona-fest machen.

Für alle Berliner Museen aber gilt: Lohnen wird sich die Öffnung erst, wenn auch Touristen in die Stadt kommen. Nur von Berlinern wie im Moment wird sich das Museumsgeschäft auf Dauer nicht betreiben lassen. (mit dpa)