Berlin - Sieht man genau hin, gleicht keine leere Bank der anderen, und doch gibt es welche die besonders leer sind. Ihr Unbehaustsein lässt für einen kurzen Moment Mitgefühl für ein paar Holzlatten aufkommen und man will nur noch eines: Sich niederlassen. So eine Bank ähnelt einer Ecke vom Tisch, die so lange nicht entkrümelt wurde, dass sich dort niemand mehr hinsetzt. Um die Bank herum hüpfen also die Vögel, die es am toten Ende im Wohnzimmer bräuchte.

Im Köllnischen Park sehe ich an diesem Morgen nicht einmal Vögel. Haben die Baumaschinen sie vertrieben? Noch stehen sie ganz gelassen herum, still ist es, das Gelände wäre der ideale Ort für ein Maikonzert. Nur fehlt eben das Publikum, und mit den leeren Rängen im Land hat das nichts zu tun. Man sieht selten Menschen, und das war auch vor den Bauarbeiten schon so. Früher haben hier Maxi und Schnute gewohnt, wenn man diesen Zustand wohnen nennen will. Meistens standen sie so still, dass man sich fragte, ob noch Leben in dem Bären ist. Schon lange steht der Zwinger leer, allein das Wort. Wie gut also. Doch jetzt wohnt dort nichts mehr und das ist nicht gut. Zwar herrscht an idyllischen Orten wie diesem kein so großer Mangel wie an Wohnraum in der Stadt, dennoch: Was für eine Verschwendung. Wo nicht einmal Vögel singen am Nachmittag, hat das Leben sich schon abgewandt.

Oder es ist in die Spree gesprungen, um woanders hinzuschwimmen. Auf der Jannowitzbrücke haben Fußgänger zwar viel Platz, doch ist der Bürgersteig das Gegenteil einer Flaniermeile. Man wünscht sich, sämtliche Autos würden ebenfalls die Brüstung durchbrechen und sich in fröhliche Gummiboote verwandeln. Dann hätte man auch die Chance, die Straße zu überqueren. Ein Bericht über den von vielen gewünschten Wiederaufbau der Waisenbrücke kommt mir in den Sinn. In Verzückung habe ich die Zeitungsseite aufbewahrt.

Was für eine köstliche Idee, welch ein Bild: Eine Brücke bauen für Fußgänger und Fahrradfahrer, ohne den Kraftverkehr zu verprellen. Ein Akt der Versöhnung in Zeiten, in denen die Stadt, das Land, die Welt nicht nur in Sachen Mobilität zerreißt. Was für ein schöneres Symbol kann es gerade jetzt geben, wenn es jetzt statt „Wir bleiben zu Hause“ wieder heißt „Wir gehen raus“. In das Zuhause Stadt, welches mindestens so gelitten hat wie viele Familien. Die Planung und baldige Umsetzung sollte beginnen. Am besten auf einer Bank im Köllnischen Park. Den Vorsitz haben die Vögel.