Berlin - Für Studenten hat sich in Berlin der Wohnraum in den vergangenen sieben Jahren so stark verteuert wie in keiner anderen Universitätsstadt – um 39 Prozent. Das geht aus einer jetzt präsentierten Mietpreisanalyse von 2011 bis 2018 für WG-Zimmer und Wohnungen hervor.

In Berlin kostet ein WG-Zimmer danach heute im Durchschnitt 363 Euro, für eine 30 Quadratmeter große Wohnung müssen 438 Euro Miete bezahlt werden. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Preise damit um sechs Prozent, heißt es in der Mietpreisanalyse des Internetportals wg-suche.de.

Unter den 160 untersuchten Universitätsstädten bewegt sich Berlin im oberen Mittelfeld. Absoluter Spitzenreiter ist München mit einer durchschnittlichen Warmmiete von 616 Euro für ein WG-Zimmer. Für eine 30 Quadratmeter große Single-Wohnung werden in der bayerischen Hauptstadt 785 Euro gezahlt. In München sind die Preise in den vergangenen sieben Jahren um 35 Prozent gestiegen. Auf Platz zwei folgt Stuttgart mit 485 Euro für ein WG-Zimmer.

Einige Städte sind noch preiswert

Frankfurt mit 474 Euro, Freiburg mit 438 Euro und Ingolstadt mit 425 Euro gehören laut der Analyse noch zu den teureren Städten. Ebenfalls im oberen Bereich liegen Hamburg mit 410 Euro, Düsseldorf mit 396 Euro und Köln mit 388 Euro für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Auch hier sind die Mietpreise in den letzten Jahren stark gestiegen.

In München, Berlin oder Hamburg gibt es auf attraktive Angebote teilweise mehr als 150 Bewerbungen. Die steigenden Preise wirken sich laut der Analyse auf die Wohnform aus. Knapp 40 Prozent der Studenten entscheiden sich danach für die finanziell günstigere Variante: das WG-Zimmer. 28 Prozent wohnen mit dem Partner zusammen oder noch bei den Eltern. 23 Prozent wohnen in einer Single-Wohnung. Lediglich 9 Prozent wohnen in einem Studentenwohnheim.

„Besonders die beliebten und großen Studentenstädte sind teilweise schon jetzt für viele Studenten unbezahlbar“, sagt Carsten Wagner von wg-suche.de. „Wir empfehlen daher auch die kleineren Studentenstädte als Wohnorte, viele in Ostdeutschland.“ Preiswerter wohnen Studenten in Hannover mit 337 Euro und Göttingen mit 303 Euro für ein WG-Zimmer. Eine der günstigsten Städte ist Chemnitz mit 212 Euro für ein WG-Zimmer und 264 Euro für eine 30 Quadratmeter große Single-Wohnung.

Wenig Alternativen

In Berlin sind preiswerte Wohnheimplätze für Studenten Mangelware. Das Studierendenwerk vermietet rund 9500 Wohnplätze. Die Nachfrage ist jedoch viel höher. „Gegenwärtig warten rund 4000 Studierende auf einen Platz in einem Wohnheim“, sagte eine Sprecherin des Studierendenwerks am Dienstag. Kein Wunder: Ein Wohnplatz beim Studierendenwerk kostet im Schnitt nur 229 Euro.

Zwar will der Senat die Zahl der preiswerten Studentenwohnungen um 5000 erhöhen, doch geht das nicht so schnell. Die landeseigene Berlinovo, die 2500 der Wohnplätze schaffen soll, hat im vergangenen Jahr gerade die ersten 129 Apartments fertiggestellt. Die 16 Quadratmeter kleinen Unterkünfte werden voll möbliert überwiegend für 340 Euro monatlich vermietet. In Pankow und Lichtenberg sind drei weitere Projekte mit 750 Plätzen geplant.

Immer mehr private Anbieter nutzen die Marktlücke bei Studenten-Unterkünften. Im März eröffnete in der Kaiserin-Augusta-Allee in Moabit ein Haus mit 296 Apartments. Die Preisspanne für die rund 20 Quadratmeter großen Unterkünfte reicht von 465 bis 520 Euro warm. Am Frankfurter Tor in Friedrichshain ist es noch viel teurer: Ein 18 Quadratmeter großes Apartment kostet hier ab 650 Euro, eine 24 Quadratmeter große Wohneinheit mit französischem Balkon ist ab 780 Euro zu haben.