Noch bevor der Aufzug nicht mehr fährt oder die Klimatechnik streikt, wird der Reparaturdienst gerufen – am Berliner Hauptbahnhof entsteht ein Bürohaus, das nie kaputtgeht. Zumindest im Idealfall. Eine vorausschauende Instandsetzung macht’s möglich. Sie alarmiert die Handwerker, bevor etwas passiert. Das Unternehmen OVG Real Estate, größter Projektentwicklung der Niederlande, will das Haus errichten. „Nach unseren Standards wird es das modernste Gebäude“, sagt Martin Rodeck, Vorsitzender der Geschäftsführung der OVG.

Die Bauarbeiten für das gut 100 Millionen Euro teure Projekt haben jetzt begonnen. Das Bürohaus entsteht zusammen mit einem Hotel für die spanische Kette Barceló auf einem 5157 Quadratmeter großen Grundstück nördlich des Hauptbahnhofs. Das Hotel wird von der Firma HG Immobilien errichtet. Der Entwurf für das Ensemble stammt vom Berliner Architekturbüro Bolwin Wulf. Nach ihren Plänen werden zwei neungeschossige Gebäude mit breiten Fensterbändern errichtet, die durch eine Passage verbunden sind.

Eine große Lobby im Erdgeschoss

Das Vier-Sterne-Hotel soll 283 Zimmer und Suiten haben, in dem Bürohaus sollen auf einer Bruttogeschossfläche von rund 22.600 Quadratmetern rund 1300 Beschäftigte arbeiten können. Ende 2019 soll das Ensemble fertig sein. Für Barceló ist es das erste Hotel in Berlin. Das Unternehmen OVG, das 1997 gegründet wurde, hat dagegen schon Spuren in der deutschen Hauptstadt hinterlassen. Am Ostbahnhof hat es vor kurzem ein Bürogebäude für Zalando übergeben. Und am Humboldthafen hat das niederländische Unternehmen ein Bürogebäude errichtet, in dem das Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers eingezogen ist.

Die OVG sieht sich dem ökologischen Bauen besonders verpflichtet. Denn Holland ist von den Folgen des Klimawandels besonders bedroht. Weil es nah am Wasser liegt und bei einem Ansteigen des Meeresspiegels in Gefahr geraten könnte. Eingesetzt werden sollen daher nur solche Materialien, die wiederverwertet werden können. Ein fünfköpfiges Team beschäftigt sich bei der OVG damit, wie neue Gebäude gestaltet werden. In vielen Bürohäusern gebe es im Eingang nur einen kleinen Empfangstresen, ansonsten seien diese Flächen aber wenig attraktiv, sagt Rodeck.

Das Projekt am Hauptbahnhof soll ganz das Gegenteil sein. Dort ist im Erdgeschoss eine große Lobby geplant, mit Sitzecken und einem Café, in dem sich die Beschäftigten treffen können. In den Büros werde zudem moderne Technik installiert. So sorgen Sensoren dafür, dass immer frische Luft in die Büros strömt. Mit dem Smartphone sollen die Beschäftigten zudem die Temperatur an ihrem Arbeitsplatz steuern. Dabei müssen freilich die Charaktere zusammen passen – dass es einer gerne warm hat, der andere aber kalt mag, geht nicht direkt nebeneinander.