Abgesehen von einer vergleichsweise kurzen Phase in meiner Kindheit, die meine Mutter stets mit den Worten „Wenn man sie erreichen wollte, muss man wiehern“ beschreibt, habe ich noch nie so viel über Ponys nachgedacht wie dieses Jahr. Der Grund sind natürlich die Plakate, die uns anhand von Tierbildern den Abstand von 1,50 Metern illustrieren sollen. Ein Pony. Drei Corgis. Sie geben mir Rätsel auf. Wie kann man so selbstgewiss behaupten: Ein Pony = 1,50 Meter? Es gibt sehr große Ponys. Ponyfohlen. Und ausgewachsene winzige Ponys. Sie sind nicht viel größer als Corgis. Und die existieren ebenfalls in verschiedenen Größen. Viel mehr weiß ich nicht über Corgis, aber ich habe ein stabiles Halbwissen über Ponys. Sie sind so verschieden wie Menschen. Oder gibt es das perfekte Pony? Exakt 1,50 Meter lang, von Geburt an genormt wie ein Dübel oder eine EU-Gurke? Will man so ein Pony haben, und viel wichtiger: Will man so ein Pony sein?

Oder eines der anderen, die nicht gemeint sein können auf den Schildern, weil sie einer anderen Rasse angehören oder aus einem anderen Grund andere Maße haben? Eines der ausgegrenzten. Die nicht den Bedürfnissen der Mehrheit entsprechen. Eigentlich kann kein Pony glücklich sein mit diesen Schildern. Aber es ist wie immer: Der Mensch nutzt das Tier für seine Zwecke. Ohne Gedanken an das Tier. Und ohne an die Kinder zu denken. Wollen wir ihnen vermitteln, dass nur 1,50 lange Ponys und 50 cm lange Corgis als Vorbild taugen? Norm statt Vielfalt, Ideal statt Individualität?

Ich sehe ein kleines Mädchen vor mir, das die Schilder täglich sieht und eines Tages auf ein, sagen wir mal 1,25 Meter langes Pony trifft. Ein ganz normales Pony, vier Beine, vier Hufe, Samtnüstern, Schweif, Mähne, alles dran. Aber eben eher klein. Das ist wahrscheinlicher als die Begegnung mit drei Corgis in einer Reihe. Das kleine Mädchen sagt: „Das ist kein Pony.“ Und wendet sich traurig ab. Von den Gefühlen des Ponys ganz zu schweigen.

Man verstehe mich nicht falsch: Vergleiche können sinnvoll sein. Fußballplätze dienen häufig zur Größeneinordnung und das Saarland. Nun ist es nicht zielführend, den Abstand von 1,50 Meter mit „ein 0.0125stel Fußballplatz“ zu erklären oder gar zu bebildern, und auch ein Bruchteil des Saarlandes hilft hier nicht weiter. Aber es muss doch andere Objekte geben als Corgis und Ponys. Wir sollten die Kinder fragen. Alle, nicht nur die 1,50 Meter großen.