BerlinIn Berlin gilt seit knapp drei Wochen die Maskenpflicht an besonders frequentierten Plätzen und auf sehr belebten Straßen. Es handelt sich um eine Verordnung des Senats, mit deren Hilfe der Pandemie Einhalt geboten werden soll. Doch nicht überall wird der Sinn dieser Verordnung sichtbar. Nicht überall scheint sie sich durchsetzen zu lassen. Und mancherorts gilt sie nicht, erscheint aber zweckmäßig. Drei Beispiele aus der Redaktion der Berliner Zeitung.

Kontrollverlust auf der Flaniermeile. Ich war im Supermarkt in der Mitte der Bergmannstraße. Nachdem ich ihn verlassen hatte, ging ich die beliebte Kreuzberger Einkaufsstraße in Richtung Marheinekehalle. Die Bergmannstraße ist sicherlich nicht so belebt wie an anderen Tagen vor der Pandemie, dachte ich. Viele Menschen tragen nun auch im Freien Masken, fiel mir auf, andere aber nicht. Halt! War da nicht was? Zählt die Bergmannstraße nicht zu den Berliner Meilen mit Maskenpflicht? Noch vor ein paar Wochen wurde hier von der Bundespolizei die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliert, selbst bei Radfahrern. Und nun? Nichts! Ohne Maske erreichte ich unkontrolliert und unbehelligt die Marheinekehalle. Wie viele andere Passanten. In der Halle trugen alle Besucher einen Mund-Nasen-Schutz, auch ohne Kontrolle. Marcus Weingärtner

Mit vollem Einsatz am Ruhetag im Einkaufs-Hotspot: Der vergangene Sonntag, abends gegen 18.45 Uhr. Ich ging auf der Schloßstraße in Steglitz spazieren. Am Hermann-Ehlers-Platz stand ein Mannschaftswagen der Polizei. Die Beamten kontrollierten die Passanten. Sie schauten darauf, ob die Spaziergänger ihre Maske korrekt trugen. Sie sprachen jene Menschen an, die keinen Mund-Nasen-Schutz trugen oder lediglich den Mund bedeckt hatten. Ich sah einen Mann, den sie anhielten und dessen Personalien sie aufnahmen. Es war nicht mehr viel los auf der sonst so belebten Einkaufsstraße, da die Geschäfte geschlossen hatten. Nur ein paar Restaurants boten Speisen und Getränke zum Mitnehmen an. Der vorgeschriebene Mindestabstand konnte bequem eingehalten werden. Der Sinn der Kontrollen dürfte nicht jedem ersichtlich gewesen sein. Kerstin Hense

Rushhour in der grünen Wohlfühlzone: Der Grunewald am vergangenen Sonntagnachmittag. Auf dem Weg rund um den Grunewaldsee herrscht dichtes Gedränge. Junge Väter und Mütter schieben ihre Kinderwagen über den Waldboden. Hunde freuen sich, ohne Leine herumrennen zu können. Paare laufen Hand in Hand. Jogger versuchen, sich durch die Menge einen Weg zu bahnen. 1,50 Meter Abstand? Ist hier an vielen Stellen kaum mehr einzuhalten. Dort, wo Pfützen oder Matsch den Weg versperren, schlängeln sich die Menschen auf oft nur noch schmalen begehbaren Pfaden aneinander vorbei. Masken? Trägt kaum einer. Was nicht zu sehen ist: Polizei, die freundlich daran erinnert, sich nicht zu nahe zu kommen. Uli Paul