Amerika-Gedenkbibliothek. Ist das ein Kasten. Trotz der bulligen Nachbarschaft in Gestalt eines Möbelhauses wirkt das Gebäude schlicht und majestätisch zugleich. Draußen auf der Wiese sitzt eine junge Frau mit Kopftuch, das Gesicht der Maisonne zugewandt. In ihrem Schoß schläft ein Buch. Die Stadt, das Hallesche Tor mit seinem Dreck und Gestank, der Verkehr: Diesen beiden können sie nichts anhaben. Ein Spatz hüpft vorbei. Kurz hält er inne, als überlege er, ob er den Titel kennt. Lustigerweise schüttelt er beim Weiterhüpfen den Kopf. Andere Generation? Die Antwort trägt er beim Abheben in die Lüfte davon.

Drinnen saßen bis vor ein paar Monaten die Generationen und Schichten, die Kulturen und Nationen beisammen, als sei die Erfindung von Grenzen und Abgrenzungen aller Couleur ein ganz schlechter Witz gewesen. Die einen blätterten in Zeitungen, andere in Büchern, wieder andere tippten etwas in ihre Laptops. Kinder, denen zu Hause die Ruhe verwehrt ist, die Bildung unbedingt braucht, haben hier Zuflucht gefunden. Oder einfach die Ruhe und den Frieden, den alle Menschen regelmäßig benötigen wie Sauerstoff. Sie blätterten in Schulbüchern oder Comics oder wischten auf ihren Smartphones herum. Manche Besucher taten gar nichts, dösten oder dachten nach. Als ob das nichts ist! Als ob diese Tätigkeiten die Welt nicht genauso zusammenhalten wie das meiste Schaffen. Vielleicht sogar mehr und besser. Fester.

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