Es ist noch nicht lange her, da stand gegenüber dem Bodemuseum, am nördlichen Spreeufer, ein bauliches Juwel: das Schlösschen Monbijou (französisch für "mein Schmuckstück"), umgeben von einem zierlichen Park – die Residenz diverser Hohenzollernköniginnen. Manche von ihnen waren vor unausstehlichen Ehemännern hierher geflüchtet.

Umgeben von erlesenem Porzellan spielte auch der spätere Friedrich der Große als Kind in dieser Residenz Flöte für seine Mutter Dorothea. Diese schmuste hier mit ihren Lieblingshunden – aus China importierten Möpsen. Bis 1805 logierten diverse Damen am Spreeufer, luftig im Grünen und weitgehend unbehelligt.

Kartoffel als Zierpflanze

Den Anfang machte 1649 der Große Kurfürst, der befahl, das Gelände zu kultivieren, um es dann seiner ersten Frau Luise Henriette von Oranien zu schenken. Die Holländerin gestaltete es nach eigener Fasson weiter, ließ Land- und Viehwirtschaft betreiben.

Schon lange bevor Friedrich der Große die Kartoffel  in Brandenburg anbauen ließ, wuchs sie als Zierpflanze in Monbijou. Die zweite Frau des Kurfürsten, Dorothea Sophie, ließ dann ein Sommerhaus mit Garten errichten, der Anfang für Schloss und Park.

Auch ein Hugenotte durfte dort tätig werden und auf dem Gelände in einer Manufaktur Tapeten  herstellen. Friedrich der I., erster König in Preußen, ließ ein erstes kleines Schloss errichten und schenkte es einer Mätresse.

Mit eigenem Bootsanleger

1717 machte Zar Peter der Große von Russland mit seinem Hofstaat für zwei Tage im Schloss Monbijou Station. Nach Abreise, so berichten Augenzeugen, sei das Anwesen „in völlig ruiniertem Zustande“ gewesen.

Friedrich II., der Große, ließ es dann für seine Mutter Dorothea beträchtlich erweitern. Sie mochte es sehr, erfüllte es jeden Sommer mit Gesellschaften, Bällen und Konzerten.  Ein eigener Bootsanleger erlaubte die bequeme An- und Abreise.

Zuletzt lebte Königin Friederike Luise hier, zurückgezogen von ihrem Mann, König Friedrich Wilhelm II., der statt ihrer zahlreiche Mätressen bevorzugte.

Nach 1805 gab es in Monbijou  noch Theater und andere Vergnügungen für den Hof – bis 1820 die  „Germanisch-slawischen Alterthümer“ aus der Königlichen Kunstkammer in das nunmehr zum „Museum für Vaterländische Alterthümer“ umgewidmete Schloss Monbijou einzogen. Von 1877 an durfte die Öffentlichkeit hier die volle Dosis Hohenzollernkult aufnehmen.

Mit dem Ende der Monarchie übernahm der Staat Gebäude und Kulturgüter. Im November 1943 brannte das Schlösschen nach einem Bombenangriff aus. 1959 beschloss der Magistrat Ost-Berlins gegen heftige Proteste aus Ost und West, die Ruinen abzureißen.

Heute kennt kaum noch jemand die Geschichte des Ortes. Die Leute tummeln sich im Monbijoupark, die Kinder im Monbijoubad. Man spaziert über die Monbijoubrücke oder rastet am Monbijouplatz. Auch alles Schmuckstücke. Trotzdem: Schade um das Schlösschen.

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