Berlin - Das Radfahren hat sich verändert, sagt Robert Burkhardt von Velokonzept. „Und deshalb haben wir auch unsere Messe verändert.“

Die neue Velo Berlin am Wochenende ist nicht nur für Menschen, die das Radfahren sehr ernst nehmen, die sich auch bei Schnee und Regen täglich eisern auf den Sattel schwingen, die gern sportlich fahren und diffizile Technik genießen. „Wir wollen allen, die gern Rad fahren, etwas bieten“, sagt Burkhardt, bei Velokonzept Bereichsleiter für Messen und Veranstaltungen. „Mehr Familie. Mehr Lifestyle.“ Es gibt in Tempelhof nicht nur einen bewachten Fahrrad-Parkplatz, eine Seltenheit in Berlin, sondern sogar Parkplätze für Autos, berichtet Chefin Ulrike Saade.

Mehr Aussteller, mehr Platz

Rad fahren, vor nicht allzu langer Zeit als Ökomarotte abgetan, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen – und das zeigt sich auch bei dem Fahrradfestival im einstigen Flughafen. „Auf der Velo gibt es nicht nur für jeden Radfahrer etwas Neues, sondern auch für die, die es erst noch werden wollen“, sagt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Zahl der Aussteller um mehr als ein Drittel gestiegen. In den Hangars 5 und 6 sowie auf dem Vorfeld, insgesamt mehr als 80.000 Quadratmeter Fläche, sind fast 500 Marken vertreten. Dass die Velo Berlin nun auch unter freiem Himmel viel Platz hat, war für Burkhardt und das Velokonzept-Team eine Herausforderung. „Es ist eine ganz schön große Fläche, die wir da bespielen“, sagt er. Aber es ist auch eine Chance, das Programm erheblich auszuweiten.

Rund um den Rosinenbomber

Ein paar Beispiele: Der Berliner Radsportverband BRV, offizieller Vertreter der mehr als 30 Radsportvereine Berlin, organisiert zusammen mit der Senatssportverwaltung das erste Airfield Race. Der Rosinenbomber, der während der Luftbrücke im Einsatz war, bildet am Sonnabend auch die Kulisse für Deutschlands größtes Fixed-Gear-Rennen.

Nicht zu vergessen: das Sixday/BDR Kids Race, Berlins erste Kinderlaufrad-Rennserie am Sonntag. Teilnehmen kann jedes Kind im Alter von drei bis fünf Jahren mit einem Laufrad und Helm. Auch dafür ist eine Anmeldung erforderlich – auf der Internetseite der Velo. Für 13- bis 99-Jährige ist der Pumptrack gedacht, ein Rundkurs für Mountainbike-Fahrer, der erhebliche Anforderungen an Geschicklichkeit und Fahrgefühl stellt. Ebenfalls auf dem Plan: Bike Polo – drei gegen drei, ein Feld, zwei Tore und sechs Schläger.

Diskussion der Berliner Zeitung

„Am Sonntag wird das Fahrradfestival außerdem zum Treffpunkt der europäischen Lastenradszene“, sagt Arne Behrensen vom Europäischen Verband der Radlogistiker. Für Freitag wird zunächst zum Symposium in die niederländische Botschaft an der Spree in Mitte gebeten, am Sonntag um 11.40 Uhr und 16.10 Uhr treten Cargo-Bike-Fahrer aus vielen Ländern zu Rennen bei der Velo an.

Drinnen gibt es ebenfalls ein umfangreiches Programm. Ein wichtiger Schauplatz ist die Fahrradbühne im Hangar 6. Am Sonnabend um 11 Uhr gibt Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) den Startschuss zur Messe. Dann überreicht sie den diesjährigen Berliner Fahrradpreis. Um 14 Uhr ist die Bühne Schauplatz einer Podiumsdiskussion der Berliner Zeitung.

Das Thema lautet: Fahrradstadt Berlin – Wunsch, Utopie, Realität. Mit dabei sind Heinrich Strößenreuther von der Agentur für Clevere Städte, Evan Vosberg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, Lutz Kaden von der Industrie- und Handelskammer sowie Christiane Heiß, Bezirksstadträtin in Tempelhof-Schöneberg.

Der neue Standort

„Wir sind sehr froh über unseren neuen Standort im alten Flughafen“, sagt Burkhardt. Bis Ende 2017 dienten die Hangars als Notunterkünfte für Flüchtlinge. Lange Zeit war unklar, ob die Velo-Messe die einstigen Flugzeughallen in diesem Frühjahr nutzen darf. Andere Standorte kamen nicht in Betracht. Sie setzten alles auf einer Karte – und gewannen. Seit Januar 2018 steht fest, dass die Velo Berlin dort stattfinden kann.