BerlinDer Fuchs hat die Großstadt erobert. Nicht nur in Parkanlagen und in den Gärten der Berliner tauchen die hundeartigen Tiere mit ihrem herrlichen rotbraunen Fell auf. Sogar auf belebten Einkaufsstraßen lassen sie sich derzeit blicken. Momentan sind die Füchse verstärkt in allen Teilen der Stadt unterwegs, kommen ohne Scheu auf die Menschen zu – und das hat einen Grund.

„Es sind die sogenannten Oktoberfüchse, die im Frühjahr zur Welt kamen und vor wenigen Tagen von ihren Eltern aus den Bauen vertrieben wurden“, sagt Berlins Wildtierreferent Derk Ehlert. „Die geschlechtsreifen Tiere müssen sich jetzt in der Stadt ihr eigenes Revier suchen.“

Das tun sie oft mit knurrenden Mägen. Die Zeiten, in denen die Mütter, Väter oder auch Tanten bis zu vier Jungen in einem Bau mit Nahrung versorgten, sind vorbei. Daher zeigen sich die Oktoberfüchse nun auch recht nah dem Menschen, um Futter zu erbetteln. „Das Füttern der Tiere sollte man aber unterlassen“, so Ehlert. Nicht nur, weil es laut Landesjagdgesetz verboten ist und bei Verstößen Strafen von bis zu 5000 Euro drohen.

Das Füttern der Füchse könnte die Tiere zu zahm machen und zu aggressiven Bettelverhalten führen, erklärt Ehlert. Bissverletzungen bei Menschen sind die Folge, wenn ein kleiner Fuchs unkontrolliert zuschnappt. Furcht vor Tollwut müsse man aber nicht haben, erklärt der Experte: „Seit über 30 Jahren ist bei Füchsen diese tödliche Krankheit nicht mehr festgestellt worden.“

Aus dem Jäger ist ein Sammler geworden

Das Füttern der Füchse mache auch keinen Sinn. Denn der Tisch ist für die allesfressenden und recht anspruchslosen Tieren in Berlin reichlich gedeckt. „Der aus dem Wald stammende Jäger ist in der Stadt zum Sammler geworden“, sagt Ehlert. Die Füchse machen sich über die Essensabfälle der Berliner her, die auf der Straße, in Parks oder im Müll landen, erlegen ab und zu eine Ratte oder Maus. „Sie stürzen sich auch auf das Katzenfutter, das auf manchen Gartenterrassen zu finden ist. Der Fuchs hat sich dem Großstadtleben recht gut angepasst“, berichtet Ehlert. 

Geschätzt bis zu 2000 Füchse gibt es in Berlin. „Etwa zwei Drittel haben im Laufe der vergangenen 20 Jahre verstärkt die Innenstadt als Revier auserkoren“, so Ehlert. „Sie treten nicht nur vermehrt in Reineckendorf auf, wo der Fuchs ja das Wappentier des Bezirkes ist. Man findet sie genauso oft in Charlottenburg-Wilmersdorf, Marzahn oder in Mitte.“

Im Gegensatz zum Revier der Artgenossen aus dem Wald sind die etwa 1400 Reviere der Berliner Stadtfüchse nicht groß. Auf einer Fläche von einem viertel Quadratkilometer leben ein bis zwei Tiere. Schließlich müssen Füchse in Berlin nicht weit laufen, um Fressbares zu finden.

Der Bestand der Tiere ist recht stabil. Das liegt unter anderem daran, dass Füchse in Berlin nicht gejagt werden. Stattdessen werden einige beim Überqueren von Straßen oder Autobahnen getötet. Allgemein kämen die Tiere im lebhaften Großstadtverkehr aber gut zu recht, berichtet Ehlert. Ihr größter Feind sind Krankheiten wie Staupe oder Räude, mit denen sie sich wegen des engen Zusammenlebens in der Stadt häufig anstecken. „Etwa ein Drittel der Oktoberfüchse überlebt den ersten Winter nicht“, sagt Ehlert. Im Schnitt werden Stadtfüchse nur zwei Jahre alt.