Berliner Bereitschaftspolizisten werden auch bei Fußballspielen eingesetzt.
Foto: imago/Jan Huebner

BerlinBei einem Berliner Polizisten wurde das Coronavirus nachgewiesen. 35 Kollegen seines Zuges der 32. Einsatzhundertschaft wurden am Wochenende von einer Amtsärztin für 14 Tage nach Hause in Quarantäne geschickt. Wie viele Corona-Fälle können Polizei und Feuerwehr in ihren Reihen verkraften? Was ist, wenn morgen eine weitere Hundertschaft in Quarantäne geschickt wird und übermorgen ein ganzer Polizeiabschnitt oder eine Feuerwache?

Relativ spät, nämlich erst in der vergangenen Woche, gründete sich im Polizeipräsidium eine Koordinierungsgruppe zur Corona-Thematik. Sie will in den nächsten Tagen mit der Gesundheitsverwaltung das weitere Vorgehen beraten. Die Koordinierungsstelle soll auch die Schutzausstattung der Polizisten überprüfen. Zwar erhielten diese vor fünf Jahren persönliche Schutzausrüstung wie Atemschutz, Handschuhe und Brille. Doch  es gibt weder einen zentralen Überblick über den Zustand der Ausstattung noch ein zentrales Lager dafür.

Gewerkschaft der Polizei ist für kleinere Einheiten

Was passieren wird, wenn sich immer mehr Beamte infizieren und nach und nach weitere Dienstellen in Quarantäne geschickt werden, wissen viele Polizisten nach eigenem Bekunden nicht. Die Gewerkschaft der Polizei sorgt sich nun um die Einsatzbereitschaft der Truppe. „Wenn wir innerhalb einer Hundertschaft einen Fall haben, setzt das potenziell 100 Kräfte außer Gefecht“, sagt GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Er empfiehlt, in den kommenden Wochen Einsätze, wenn möglich, eher mit kleineren Einheiten durchzuführen. „Dann muss vielleicht nur ein Zug herausgenommen werden und nicht gleich eine ganze Hundertschaft.“ Es komme darauf an, den Kreis der Betroffenen so gering wie möglich zu halten. Das schaffe man nur mit flexiblen Dienstplänen und der Beschränkung auf die Kernaufgaben.

Für Ereignisse wie diese haben die Behörden seit Jahren sogenannte Pandemie-Pläne. Sie schreiben etwa vor, was zu tun ist, wenn ein Drittel und mehr Personal ausfällt. Würden Polizei und Feuerwehr die strengen Quarantäne-Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts nicht mehr umsetzen können, dann müsste der Katastrophen-Fall ausgelöst werden. Dann bräuchten Polizisten und Feuerwehrleute zum Beispiel nicht mehr zur Sicherheit in Quarantäne.  

Andere Wachen müssten dann die Arbeit übernehmen

Doch vom „Kat-Fall“ ist Berlin weit entfernt. „Wir haben 17.500 Kolleginnen und Kollegen im Vollzug und würden so etwas lange durchhalten“, sagt Polizeisprecher Thilo Cablitz. „Wenn jeden Tag 100 Beamte für zwei Wochen in Quarantäne müssten, dann würden nacheinander 1400 Beamte wieder in den Dienst zurückkehren.“

Bei der Feuerwehr befasst man sich laut Behördensprecher Thomas Kirstein mit der Pandemie schon seit mehreren Wochen. Seine Behörde habe frühzeitig einen Pandemiestab gegründet. „Natürlich kann es sein, dass sich ein Feuerwehrmann infiziert. Unsere Mitarbeiter haben viele Kontaktpersonen“, sagt er. Wenn die Mitarbeiter einer Feuerwache in Quarantäne kämen, müssten andere Wachen die Arbeit übernehmen.

Im allerschlimmsten Fall könne man die Mehrbelastungen auffangen durch die zeitweise Verlängerung des Schichtdienstes von 44 auf 48 Stunden pro Woche. Dadurch hätte man Kirstein zufolge mehr Leute zur Verfügung. Die Überstunden müssten dann wohl bezahlt werden.

Bisher hatte der Rettungsdienst der Feuerwehr nach Angaben von Mitarbeitern vier Fahrten von nachweislich infizierten Corona-Patienten. Bei drei Fahrten trugen die Sanitäter Schutzkleidung. Beim ersten „Patient Null“ waren sie ungeschützt. Sie sind in Quarantäne. Symptome zeigen sie bisher nicht.