Datenschutz-Grundverordnung ändert Regeln in Kitas und führt zu neuen Problemen

In der Kitagruppe meines Sohnes haben die Kinder sich selber gemalt. Ich verglich die Bildnisse und versuchte zu raten, welches wohl von meinem Kind stammte. Dann schaute ich auf der Rückseite nach dem Namen und lag völlig daneben.

Datenschutz ist überall - auch in den Kitas

Mein Sohn war der mit dem eher schlichten Konterfei, sehr große Augen, runder Kopf, wenig Haar, sonst nix. „Künstlerische Reduktion eben. Mut zur Lücke. Der Betrachter füllt die Leerstellen mit eigenen Erfahrungen“, sagte mein Mutterherz und hoffte heimlich doch auf einen Spättalentierten.

Alles Schönreden half nichts. Die anderen Kinder hatten aufwendigere Bilder gemalt, sogar Sprechblasen mit ersten Worten hatte ein Mädchen, deren Namen ich zwar kenne, aber hier lieber verschweige, gezeichnet.
Diese Anekdote wäre für sich genommen gut für einen Plausch unter Müttern. Uns jedoch führt sie direkt in den Dschungel des Datenschutzes.

Alarmierung durch die Datenschutz-Grundverordnung

Seitdem im vergangenen Frühjahr die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten ist, treibt dieses Gewächs mitunter seltsame Blüten. Plötzlich hieß es in unserer Kita nicht mehr: „Martina ist krank“, sondern „Martina ist abwesend“. Nach dem Grund gefragt, drucksten die Erzieherinnen verlegen. Spätestens seit ein Kindergarten in Dormagen aus Angst vor dem bösen DSGVO-Drachen Spielkameraden auf Gruppenfotos für die Kita-Erinnerungsmappe geschwärzt hatte, war auch die letzte Pädagogin alarmiert.

Zu Recht muss man jetzt sagen. Denn gerade wurde bekannt, dass einige Eltern in einer Hennigsdorfer Kita darauf drangen, die Zeichnungen ihrer Kinder mögen bitte nicht mehr mit Namen gekennzeichnet werden. Hat da eine Mutter Angst, dass ihr Kind als Urheber des Loser-Bilds zu identifizieren ist? Befürchtet ein Vater mitleidige Blicke ob der simplen Bildkomposition des Nachwuchses?

Neue Probleme durch neue Regeln

Um dennoch eine Bild-Kind-Zuordnung gewährleisten und den Entwicklungsfortschritt korrekt dokumentieren zu können, vergeben die Erzieherinnen in Hennigsdorf stattdessen Nummern. „Der Schneemann von Nummer sechs ist eine echte Krücke“, heißt es dann eben. Bis irgendein Kind doch für Aufklärung sorgt und für alle hörbar über den Flur kräht: „Den hat Ole gemalt.“

„Uns erreichen jeden Tag neue Fälle, bei denen ich denke: Ach, das ist auch ein Problem?“, sagte Sven Müller, Pressesprecher der brandenburgischen Landesbeauftragten für den Datenschutz, den Kollegen bei der Märkischen Oderzeitung, die über den Fall berichteten.

Und vielleicht ist es ja wirklich ein Problem, wenn es immer das eigene Kind ist, welches den krakeligsten Baum malt, wenn der Regenbogen des Nachbarn bunter ist. Ein Problem ehrgeiziger Eltern ist es, nicht das der Kinder. Die sind nämlich meistens stolz wie Bolle, wenn sie ihre Kunstwerke zeigen. Das Vergleichen und Bewerten lernen sie schon noch früh genug. Ich aber nehme mir vor, es noch viel öfter zu unterlassen.