Ahrensfelde - Schon zu DDR-Zeiten wurde darüber diskutiert, im Norden Marzahns rund um die angrenzende Kleinstadt Ahrensfelde (Barnim) eine Ortsumfahrung zu bauen. Denn auf der Bundesstraße 158, die durch Ahrensfelde führt, gibt es im Berufsverkehr eine Staugarantie. Jeden Tag schleichen 30.000 Pendler durch das Nadelöhr. Um dieses Problem zu lösen, hatten die Länder Berlin und Brandenburg zuletzt ihren jahrelangen Streit über den Bau der Umgehungsstraße und insbesondere über deren Finanzierung beigelegt. Alles schien geklärt. Doch nun sorgt der Bund für eine erneute Verzögerung des Baus der Straße am Berliner Stadtrand. In diesem Jahr sei nicht mehr mit der Wiederaufnahme des Planfeststellungsverfahrens zu rechnen, erfuhr das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf.

Erhebliche Verzögerung des Bauvorhabens in Ahrensfelde

Die Information erhielt Nadja Zivkovic (CDU), die Stadträtin für Wirtschaft und Straßen, eher durch Zufall. Sie hatte auf eigene Faust nachgefragt, wie das Bundesverkehrsministerium zu der auf Länderebene gefundenen Lösung stehe. Die Antwort enthielt zwar die für Zivkovic erfreuliche Nachricht, dass das Ministerium den Plänen grundsätzlich zustimme. Allerdings müssten zunächst Regelungen zur Kostenbeteiligung zwischen Bund und Ländern erarbeitet werden. Mit der Weiterführung des Planfeststellungsverfahrens sei deshalb erst Mitte 2020 zu rechnen.

Stadträtin Zivkovic ist über diese erneute erhebliche Verzögerung des Bauvorhabens wütend. „Ein weiteres verschenktes Jahr, in dem es bei einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Berlin und Brandenburg keinen Schritt vorwärtsgeht, ist für uns völlig inakzeptabel“, sagt sie. Der tägliche Verkehrsstau sei eine große Belastung sowohl für Ahrensfelde als auch für das angrenzende Marzahn. „Die Beeinträchtigung für die Bevölkerung und die Unternehmen ist riesig“, sagt Nadja Zivkovic. Der zunehmende Pendlerverkehr zwischen Berlin und Brandenburg und der Wirtschaftsverkehr am Clean Tech Business Park in Marzahn mache einen schnellen Bau der Straße unerlässlich.

Streit zwischen Berlin und Brandenburg

Die Ortsumfahrung Ahrensfelde würde nach aktuellen Planungen an der Märkischen Allee im Bereich des S-Bahnhofs Ahrensfelde beginnen. Über eine neue Kreuzung – Ahrensfelder Chaussee/Dorfstraße Ahrensfelde – soll die 4,6 Kilometer lange Trasse entlang der Klandorfer Straße in Marzahn geführt werden und im weiteren Verlauf wieder auf die B158 treffen. Streit gab es zwischen Berlin und Brandenburg über die beste Lösung für den Lärmschutz und insbesondere über die Kostenverteilung. Zwar trägt der Bund die Baukosten der Straße von 45 Millionen Euro, aber nicht die zusätzlichen zehn Millionen Euro für die auf Landesebene befürwortete Lärmschutz-Lösung. In der Klandorfer Straße soll ein „abgedeckelter Trog“ entstehen – dabei würde die Straße auf 150 Metern tiefer gelegt und überdacht.

Erst vor wenigen Monaten hatten sich Berlin und Brandenburg darauf geeinigt, die Zusatzkosten je zur Hälfte zu tragen. Damit machten sie nach jahrelangem Planungsstopp den Weg frei für die Wiederaufnahme des 2011 begonnenen Planfeststellungsverfahrens. Dass nun der Bund für eine neue Verzögerung sorgt, findet nicht nur die Marzahner Stadträtin Zivkovic unannehmbar. Auch der Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Michael Grunst (Linke), forderte die Berliner Verkehrsverwaltung am Dienstag zum Eingreifen auf. Sie müsse das Bauprojekt nachdrücklicher als bisher verfolgen.