Berlin - Seit einiger Zeit macht selbst mein zweijähriger Neffe im Supermarkt einen großen Bogen um das Kühlregal mit den toten Tieren. Und das kam so: Jeden Sonnabend gehen wir zusammen einkaufen. Für ihn ist das der Höhepunkt seiner Woche. Spätestens am Dienstag fiebert er dieser für mich eher banalen Pflichtveranstaltung entgegen. Aufgeregt fischt er die Werbeprospekte aus dem Briefkasten. Am Einkaufsmorgen blättert er durch die Angebote, zeigt mir, was er gleich alles in seinen kleinen Wagen legen will. Meist muss ich ihn enttäuschen, Kühlschränke oder Bohrmaschinen brauchen wir einfach nicht wöchentlich, aller Angebotspreise zum Trotz.

In der Kaufhalle schiebt er seinen Wagen durch die Gänge. Kommen wir beim  Fleischregal an, zeigt er nur kurz drauf, bemerkt beiläufig: „tote Tiere“ und schiebt weiter. Bei unserer ersten Einkaufstour, als er noch alle Regale stürmisch aufreißen und entdecken wollte, habe ich ihm erklärt, dass in diesem Regal Fleisch liege, das seien tote Tiere, und die essen wir nicht. Denn, so meine kurze Erklärung, wir lieben Tiere. Seitdem navigiert er seinen Wagen gekonnt an den toten Tieren vorbei. Mein zweijähriger Neffe, so scheint mir, begreift die Dinge schneller als so mancher Erwachsener.

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