Sie war noch nicht einmal ganz zur Türe rein, da war die Stimmung schon im Keller. „Du könntest hier auch mal wieder durchwischen,“ hatte sie ihrer Schwiegertochter zugeflüstert und dann zu ihrem Sohn gesagt: „Du siehst ja mager aus, sorgt sie nicht gut genug für dich?“ Zermürbt und abgefertigt in weniger als zwei Minuten, eine neue Schwiegermutter-Rekordzeit. So konnte es nicht weitergehen.

Schreckensgespenst Schwiegereltern

Solche Szenen sind Alltag in vielen deutschen Familien. Auch wenn die Geschichte der bösen Schwiegereltern sich anhört wie ein Klischee – bei vielen Paaren ist das aber ein häufiger Grund für Eheprobleme, sagt die Münchenerin Familien- und Paartherapeutin Gabriele Leipold. In ihrer Praxis kommt manchmal gleich die ganze Familie vorbei, inklusive Schwiegereltern und Geschwistern, um die tiefliegenden Probleme zu besprechen.

Die meisten Familien sind dann schon an einen Punkt gelangt, an dem es ihnen nicht mehr möglich ist, vernünftig miteinander zu sprechen. Die Beteiligten fallen einander permanent ins Wort, die Stimmung ist hoch emotional. Klassische Streitpunkte: Häufigkeit des Kontakts, Einmischung in die Kindererziehung, Differenzen im Lebensstil.

Probleme zwischen Frau und Schwiegermutter am häufigsten

Den Partner kann sich jeder freiwillig aussuchen – die dazugehörige Familie nicht. Die ist aber ohnehin schon ein komplexes kleines Sozialsystem. Da gibt es viel Liebe und Glück, aber auch viel Streit und Leid. Wer durch eine Partnerschaft in diese eigene Welt hinein gerät, muss sich erst einmal zu Recht finden. Das klappt leider nicht immer.

„Am häufigsten treten Probleme zwischen der Ehefrau und der Schwiegermutter auf“, weiß die Therapeutin. Oft sei es aber auch ein Problem des Vaters, der Vater, der das Gefühl hat, seine Tochter vor dem unerwünschten Mann, also dem Schwiegersohn, beschützen zu müssen. Die Schwiegermutter sei aber oftmals das Sprachrohr der Familie. Weil über sie die Kommunikation mit den Kindern stärker als über den Vater laufe, würden an dieser Schnittstelle auch öfter die Probleme entstehen, erklärt Leipold. „Außerdem haben Mütter oftmals einen tieferen Einblick in die Familie und sprechen häufiger mit dem neuen Partner.“

Probleme mit den Schwiegereltern werden zu Ehe-Problemen

Es kann aber auch vorkommen, dass man sich einfach unsympathisch ist oder die gegenseitigen Erwartungen aneinander nicht erfüllt. Nur ändert auch das nichts an der Tatsache, dass man irgendwie miteinander klar kommen muss. Deshalb sollte man sich nicht schon zu Anfang die Beziehung zu den Schwiegereltern verbauen, in dem man sich sofort quer stellt.

Gerade der eigenen Partnerschaft zu Liebe sollte man sich offen zeigen und erst einmal versuchen, über kleine Eigenheiten der Eltern des Partners hinweg zu sehen oder sie mit Humor zu nehmen. Doch spätestens, wenn sich unüberbrückbare Hürden entwickeln, sollte man mit dem Partner darüber sprechen – in einem vernünftigen Ton, ohne dabei verletzende und ungerechte Dinge zu sagen. Schließlich sind es immer noch die Eltern des Menschen, den man liebt.

Und auch für den Partner ist die ständige Zwietracht sicher keine leichte Situation. „Der Partner steht oft zwischen den Stühlen – wenn beispielsweise die eigenen Eltern mit dem Partner alleine sprechen und später von beiden Seiten behauptet wird, dass das Gegenüber etwas ganz anderes im Gespräch gesagt hätte“, erklärt Leipold. „Der Partner sollte aber immer den Vorrang haben, sonst gelingt die Partnerschaft nicht.“

Zu enger Kontakt schadet der Beziehung

Mangelnde Abnabelung ist nämlich eine der Ursachen, wegen der die Probleme zwischen Partner und Schwiegereltern auf einmal ein Problem zwischen den Partnern selbst werden kann. Stundenlanges telefonieren mit den Eltern und dauernde Besuche können auch zur Belastungsprobe werden. „Wenn ein Elternteil verwitwet ist oder selbst nicht in einer befriedigenden Partnerschaft lebt, werden die Kinder oft als Partnerersatz genutzt. Doch zu enger Kontakt schadet der eigenen Beziehung“, so Familien-Therapeutin Leipold. Die Eltern dürfen also nicht wichtiger sein als der Partner – auch in Streitsituationen.