So soll es werden: Breite Laubengänge im Hof führen zu den Wohnungen.
Grafik: Chipperfield

Berlin-MarzahnEr entwarf mit der James-Simon-Galerie den neuen Haupteingang zur Berliner Museumsinsel. Er sanierte das Neue Museum und plante das extravagante Galeriehaus Bastian in Mitte. Jetzt widmet sich der britische Architekt David Chipperfield einem vergleichsweise bodenständigen Projekt: Nach seinen Plänen entsteht in Marzahn auf einem Teil-Areal der Knorr-Bremse ein Wohn- und Gewerbegebiet mit 50 Prozent Sozialwohnungen.

„Wir verstehen uns als Architekten, die alles machen, was den Menschen dient“, sagt Architekt Christoph Felger aus dem Büro Chipperfield am Montag bei der Vorstellung der Pläne. Danach sollen auf einer rund neun Hektar großen Fläche unweit des S-Bahnhofs Marzahn 90.000 Quadratmeter Gewerbeflächen und 1430 Wohnungen entstehen – darunter 370 Studenten-Apartments.

Vorgesehen sind mehrere Gebäudeblöcke sowie drei 66, 76 und 146 Meter hohe Hochhäuser, die die Eckpunkte des Quartiers markieren. Die Wohnungen sollen so gestaltet werden, dass die Schlafzimmer zur lärmabgewandten Seite, den Innenhöfen, angeordnet werden.

Geplant ist zudem, dass das Quartier weitgehend autofrei bleibt. Es gibt nur eine kurze Erschließungsstraße. Wer auf ein Auto nicht verzichten kann, für den gibt es Stellplätze im Parkhaus am Rand des Stadtviertels.

2027 soll das Quartier fertig sein

Chipperfields Büro hat sich mit seinem Entwurf in einem Wettbewerb mit anschließendem Gutachterverfahren als Sieger durchgesetzt. 27 Architekturbüros hatten sich dabei beworben, drei waren in die engere Wahl gekommen. Neben Wohnungen und Gewerbeflächen sieht der Siegerentwurf einen Nachbarschaftstreff, eine Kindertagesstätte, einen Nahversorger sowie Restaurants und Cafés vor.

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Ziel ist, jetzt schnell das Planungsrecht zu schaffen, sagt Bau-Staatssekretär Sebastian Scheel (Linke). Noch in dieser Legislaturperiode soll der Bau des Gewerbeteils gestartet werden, der für nicht-störendes Gewerbe vorgesehen ist. Die ersten Wohnungen sollen von 2022 bis 2024 entstehen. Die Fertigstellung des Quartiers ist 2027 geplant.

Laufbahn auf dem Dach

Der Projektentwickler Laborgh errichtet das Stadtviertel für rund 350 Millionen Euro. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge übernimmt die Wohnungen schlüsselfertig von Laborgh. Auch die Übernahme der Gewerbeflächen durch die Howoge ist möglich.

Dem Projekt war vor zwei Jahren ein Streit zwischen Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) voran gegangen. Pop wollte die Flächen für eine gewerbliche Nutzung sichern, Lompscher Wohnungen bauen. Jetzt zeigen sich alle zufrieden.

Neben Wohnungen und Gewerbeflächen sieht der Siegerentwurf einen Nachbarschaftstreff, eine Kindertagesstätte, einen Nahversorger sowie Restaurants und Cafés vor.
Grafik: Chipperfield

Lompschers Staatssekretär Scheel sagt, die gefundene Nutzungsmischung zeige, wie sich Wohnen und Arbeiten verbinden lassen. Pops Staatssekretärin Barbro Dreher sagt, sie freue sich, dass die Aktivitäten der umliegenden Gewerbe- und Industriebetriebe nicht beeinträchtigt werden – und dass neue Gewerbeflächen entstehen. Sogar an die sportliche Betätigung der künftigen Bewohner ist gedacht. Auf dem Dach des größten Wohnblocks in der Mitte des Quartiers ist eine etwa 500 Meter lange Laufbahn vorgesehen.