Berlin - In der DDR galt er als ein Großer unter den Akt-Fotografen - und nackte Frauen an den Stränden der Ostsee waren seine Leidenschaft: Klaus Ender ist im März 2021 im Alter von 81 Jahren gestorben, im Osten kannte fast jeder seine Fotos. Jetzt kommen seine Nackten wieder, für eine Ausstellung. Der Kulturspeicher Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald) will mit der Sonderschau „Akt und Leidenschaft“ an den gebürtigen Berliner erinnern. Die Werkschau, die am 10. Juli eröffnet wird und bis zum 29. Oktober laufen soll, zeigt 180 Bilder aus 50 Jahren seines Schaffens, wie ein Sprecher des Kulturspeichers am Dienstag sagte.

Einige Bilder dürften so manchem Betrachter bekannt sein. Fotos unbekleideter Damen, die in den Dünen posieren, wurden in der DDR in den Zeitschriften „Eulenspiegel“ und „Das Magazin“ gedruckt, die an den Kiosken heiß begehrt waren. Zehn Jahre lang arbeitete Ender für „Das Magazin“, durfte sich Bildreporter nennen.

Er war auf einem Auge fast blind

Klaus Ender
Die Sonnenbaderin am Ostseestrand, eines der bekanntesten Bilder von Klaus Ender.

Hauptberuflich hatte Ender damals nicht Fotograf werden und das Handwerk erlernen dürfen, denn: Ender hatte auf dem linken Auge fast keine Sehkraft. Also machte er seinen Berufswunsch zum Hobby und bot als freischaffender Künstler seine Bilder den Verlagen an.

Ursprünglich war Ender Bäcker. Als Geselle hatte er sich von seinem Lohn die erste Kamera gekauft. 1962 kam er nach Thiessow auf Rügen, um dort als Bäcker in der Saison zu arbeiten. Nach der Arbeit ging er zu den FKK-Stränden, machte dort seine ersten Akt-Fotos und verblüffte damit die Fachleute. Zwei Jahre später gründete Ender den Fotoclub Saßnitz und baute sein Archiv „Akt und Landschaft“ auf. „Bei seinen Bildern stand nicht die Erotik, sondern die Natürlichkeit und eine Harmonie zwischen Akt und Landschaft im Vordergrund“, sagt heute ein Sprecher vom Kulturspeicher Ueckermünde.

Mit der ersten DDR-Aktausstellung wurde  Ender 1975 bekannt. Über 100.000 Menschen sahen die Schau. Damit begann seine Karriere als einer der gefragtesten ostdeutschen Aktfotografen. Als Buchautor und Foto-Künstler machte er sich nach 1990 auch deutschlandweit einen Namen.

dpa
Aktfotograf Klaus Ender in seiner Fotoausstellung „Akt und Landschaft“ in Stralsund.

Der DDR blieb Ender allerdings nicht treu. 1981 siedelte er aus politischen Gründen nach Österreich. Das durfte er, weil sein Vater Österreicher war. Mit diesem Weggang wurde Ender in der DDR zur Persona non grata erklärt. Der Film des DDR-Fernsehens „Ein Mann, der Bilder fühlt“ wurde vernichtet. Sein Buch „Mein Modell“ wurde nach fünf Auflagen eingestampft.

Ender als Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi

1996 kehrte der Künstler nach Rügen zurück. Und machte öffentlich, dass er 15 Jahre lang als IM für die Stasi gearbeitet hatte. „Ja, ich wurde angepinkelt, ja, ich habe zweimal miterlebt, wie meine Mutter vergewaltigt wurde, ja, ich wurde von Flüchtlingsmassen in den Schmutz der Oder getreten, ja, meine Verlobte hat sich das Leben genommen, ja, ich wollte unbedingt Akt-Fotograf werden, ja, ich hatte Sex mit vielen Mädchen, ja, ich habe der Nacktheit in der DDR einen natürlichen Glanz gegeben, und ja, ich war auch ein IM“, schrieb er in seiner Biografie.

Klaus Ender
Sonnenbad am Meer: Ein Foto aus Enders Ausstellung und Kalender „Hüllenlos 2018“.

Der Grund, warum Ender mit der Stasi zusammengearbeitet habe, seien seine ersten Aktfotos gewesen, sagte er. Als er diese 1964 auch westlichen Verlagen angeboten habe und diese die Fotos veröffentlichten, sei er in die Fänge des Ministeriums für Staatssicherheit geraten. Die Stasi habe ihn vor die Wahl gestellt: ab ins Gefängnis oder als IM arbeiten. Dem Spiegel erzählte der Fotograf 2004: In seinen Berichten für die Stasi habe er vor allem über SED-Genossen und korrupte Staatsdiener berichtet. „Das war meine Rache.“

In Bergen auf Rügen starb der Foto-Künstler im März. Die Sonderschau in Ueckermünde wurde nun mit seiner Frau Gabriela Ender zusammengestellt, die das Archiv betreut, so der Sprecher. Der Eintritt zur Ausstellung im Kulturspeicher Ueckermünde (Bergstraße 2, montags bis samstags, 10 bis 16 Uhr) ist frei. Im Haus besteht Maskenpflicht.