Potsdam - Zu DDR-Zeiten war sie ein Star auf dem Eis, wurde 1974 sogar Weltmeisterin. Noch immer gibt sich die ehemalige Eiskunstläuferin Christine Stüber-Errath kämpferisch und wagt sich nun auf das politische Parkett. Nein, die 64-Jährige tritt in keine Partei ein, will auch nicht in den Bundestag. Die einstige Spitzensportlerin gehört zu den Mitgründern der Bürgerinitiative „Für Demokratie und Transparenz in Wildau“. Denn sie stört einiges. 

„Mich ärgert es, wenn Entscheidungen über den Köpfen der Bürger getroffen werden und keiner weiß, warum“, sagt Stüber-Errath. Die aktuellen Corona-Maßnahmen sind damit nicht gemeint. Es geht um ganz normale Alltagsentscheidungen, „bei denen am Ende sich die Menschen hier viele Fragen stellen und die seitens der Politik nicht beantwortet werden“, sagt der Eiskunstlauf-Star.

Stüber-Errath zählt die Fragen auf, die die Wildauer neben der Pandemie beschäftigen. Warum wurde der Bau einer Kita gestoppt, weshalb muss ein Erweiterungsbau für eine Schule neu geplant werden? Und es sind Entscheidungen wie diese, die Stüber-Errath nicht nachvollziehen kann und sie dazu bewegten, eine Bürgerinitiative mitzugründen. „Auf einer Sitzung im Rathaus, die ich als Gast miterlebte, wurde die Förderung von 5800 Euro für das Sozialprojekt ,Seifenblase‘ gestrichen, dessen Betreuung von Familien gerade jetzt in der Corona-Krise so wichtig ist“, sagt sie.

Christine Stüber-Errath: „Wir wollen den Bürgern eine Stimme geben“

Am meisten wurmt Stüber-Errath, dass die Bürger an den Sitzungen des Stadtparlaments wegen Corona nur noch sehr eingeschränkt teilnehmen können. „Woanders werden die Sitzungen online übertragen, nur in Wildau nicht“, sagt sie. „Es wird Zeit, dass jemand den Bürgern in Wildau wieder eine Stimme gibt.“ Das wolle sie nun tun, hofft auf viele Mitstreiter. Der Grundstein wird am Dienstagabend gelegt, wenn sie mit einem ehemaligen Präsidenten der TU Wildau und einem Unternehmer aus dem Ort die parteiunabhängige Bürgerinitiative „Für Demokratie und Transparenz“ gründet.

Vor allem an Transparenz mangelt es offenbar an der politischen Spitze in Wildau. So wird der Bürgermeisterin Angela Homuth (SPD) Korruption vorgeworfen. Sie soll sich für ein Bauvorhaben eines Investors eingesetzt und dafür Geld bekommen haben. Die Wildauer Rathaus-Chefin bestreitet die Vorwürfe. Wegen des Vorwurfes der Bestechlichkeit von Mandatsträgern ermittelte Anfang Januar die Staatsanwaltschaft Neuruppin gegen die SPD-Politikerin. Inzwischen wurde der Fall an die Brandenburger Generalstaatsanwaltschaft abgegeben. Grundsätzlich sei diese Behörde erstinstanzlich zuständig, erklärte ein Sprecher. Über Einzelheiten könne man keine Mitteilungen machen. „Die Ermittlungen laufen noch.“

Stüber-Errath macht deutlich, dass die Bürgerinitiative hier keinen Kampf gegen die Bürgermeisterin führen wolle. „Unser Ziel ist es, wieder Bürgernähe ins Rathaus zu bringen“, sagt sie. „Allerdings wäre es richtig und auch im Sinne der Bürger, wenn Frau Homuth ihre Amtsgeschäfte ruhen lassen würde, solange der Verdacht gegen sie besteht.“