Berlin - Es gibt Gerüche, die bleiben im Kopf, auch wenn sie längst verflogen sind. Wenn ich heute ein Krankenhaus betrete, das mit dem Desinfektionsmittel Lysol gereinigt wird, fühle ich mich in den Sommer des Jahres 1989 zurückversetzt, als die Mauer noch stand.

Alle Bahnhöfe und alle öffentlichen Gebäude der DDR rochen nach dem Zeug – und der Bahnhof Friedrichstraße, damals Grenzübergang, besonders intensiv. Weil ich mich dort monatelang fast jeden Morgen in eine lange Schlange einreihen musste, um mit einem Ein-Tages-Visum in die Deutsche Demokratische Republik einreisen zu dürfen, sind mir der Lysol-Gestank im Bahnhof und der Geruch der Trabi-Abgase auf den Straßen im Gedächtnis geblieben.