Nach über 25 Jahren Leerstand erhält das Warenhaus Jandorf – ein spektakulärer Jugendstilbau am Weinbergspark in Mitte – endlich wieder einen langfristigen Nutzer. Ausgerechnet der Autohersteller Mercedes Benz wird dort einziehen, die Umbauarbeiten haben bereits begonnen. „Wir haben einen Mietvertrag mit dem Haus Jandorf abgeschlossen“, bestätigte Silke Walters, eine Sprecherin der Stuttgarter Daimler AG, der Berliner Zeitung auf Anfrage.

Das denkmalgeschützte Haus in der Brunnen-/Ecke Veteranenstraße ist eingerüstet, Arbeiter tragen Baumaterialien hinein. Die Eigentümer hatten das elegante Gebäude in Mitte über Jahre lediglich für kurzfristige Events vermietet – zum Beispiel für die Fashion Week oder extravagante Fotoausstellungen. Die CDU präsentierte dort im Bundestagswahlkampf 2017 mit viel technischen Schnickschnack ihr „begehbares Wahlprogramm“.

Einst Modeinstitut der DDR

Das ehemalige Warenhausgebäude jedenfalls bietet etliche Freiflächen, und auch die Fensterfronten könnten, einmal freigeräumt, gut nach außen wirken. Das alles dürfte sich gut eignen für die Präsentation von technischen Neuerungen rund um das Automobil der Zukunft. Elektroantrieb und digitale Steuerungsmöglichkeiten könnten dabei eine große Rolle spielen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wolle man sich aber zu weiteren Plänen nicht konkret äußern, beschied Silke Walters von der Daimler AG in Stuttgart.

Zwar verfügt der Autokonzern mit der Mercedes-Benz-Gallery bereits über eine Präsentationsfläche in guter Lage: nämlich Unter den Linden, wo im Umkreis auch weitere Automobilhersteller große Showrooms haben. Doch das Viertel am Weinbergspark ist ein anderer Ort. Es steht für das hippe, urbane Berlin – auch wenn dieser Mitte-Hype vielen Berlinern schon etwas abgenutzt erscheint.

In der Gegend haben auch etliche Start-ups ihren Sitz, besonders markant ist die Factory Berlin in der Rheinsberger Straße, zu deren Eröffnung 2014 auch Google-Chef Eric Schmidt kam. Die Repräsentanz im Haus Jandorf dürfte für den Autokonzern Daimler auch Teil einer Imagekampagne sein. Nach Informationen der Berliner Zeitung soll es sich um einen sehr langfristigen Mietvertrag handeln. Von 30 Jahren ist die Rede, was die Daimler AG nicht bestätigen möchte.

Das Haus hat eine äußerst wechselhafte Geschichte. Im Jahr 1904 war es als Kaufhaus eröffnet worden. Ursprünglich bot es auf fünf Etagen eine Verkaufsfläche von 10.000 Quadratmetern. Als einziges der ursprünglichen Jandorf-Kaufhäuser überstand es den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Später zog das Modeinstitut der DDR ein. Modegestalter entwickelten hier Textil-, Konfektions- und Lederwarenkollektionen für die Industrie. Sie mussten angesichts der Rohstoffengpässe erfinderisch sein.

Von der Treuhand gekauft

Nach der deutschen Wiedervereinigung stand das Haus meist leer. 1993 kaufte der Hotelier Jacob Schultz aus Frankfurt/Main es von der Treuhandanstalt. Doch dieser Eigentümerwechsel änderte zunächst wenig an dem Leerstand. Zwar wurden Fassade und Dach saniert, doch die Pläne für einen Komplettumbau konnte Schultz nicht umsetzen. Als „Eventlocation“ mieteten es immer wieder einzelne Veranstalter für kurze Zeit. Die Fashion Week nutzte das weitgehend entkernte Haus bereits 2017 als zentralen Veranstaltungsort, Hauptsponsor war damals Mercedes Benz. Jetzt kehrt der Autokonzern hierhin zurück.