Über 200 Schulen, Kindergärten, Straßen und Brigaden wurden nach ihr benannt: Tamara Bunke (1937–1967), die sozialistische Revolutionärin im Kreis von Che Guevara, wurde in der DDR als Heldin verehrt. Längst ist (fast: eine Straße in Lärz/Mecklenburg-Vorpommern findet Wikipedia noch) alles umbenannt, heute ist Tamara Bunke vergessen oder einfach unmodern geworden. Jetzt ist sie eine der 25 Persönlichkeiten in einer neuen Ausstellung über Helden im DDR Museum in Mitte. Im Eingangsbereich gelegen, ist sie unentgeltlich zu betreten.

Inspiriert wurde die Ausstellung durch den Ehrentitel „Held der DDR“, mit dem 17 Menschen wie Erich Honecker und Erich Mielke ausgezeichnet wurden. Im DDR Museum sind sie aufgeteilt in Volks-, Staats- und Antihelden. Das sind neben Adolf Hennecke (1905–1975), der sich durch Planübererfüllung hervortat, auch Michael Gartenschläger (1944–1976), dessen Demontage einer Selbstschussanlage an der innerdeutschen Grenze seine Ermordung auslöste, der von den USA in die DDR gezogene Schauspieler Dean Reed (1938–1986) und Frieda Spitzbarth (1899–1964), deren Brief an Walter Ulbricht, in dem sie um den Verzicht auf die Sprengung der Universitätskirche in Leipzig bat, vergeblich war.

Der Rahmen der Ausstellung mutet ein wenig merkwürdig an, schließlich ist der Begriff „Held“ schwierig bis unverständlich. Ausstellungsleiter Sören Marotz weiß darum und erklärt: „Wir haben in erster Linie Menschen gewählt, die in den Köpfen der DDR-Bevölkerung präsent waren. Es ist eine subjektive Auswahl. Wir wollen zur Diskussion anregen.“

Das ist gelungen. Ob Tamara Bunke, die glühende Verehrerin einer umstrittenen Ideologie, als Vorbild taugt? Sören Marotz legt dar, „sie hat aktiv am Kampf für die Sache des Sozialismus teilgenommen, kämpfte für eine aus ihrer Sicht bessere Welt, sie war ein Idol. Werte konsequent zu vertreten – das beeindruckte damals und auch heute noch viele Menschen.“

Sabine Gudath
Eberhard Panitz schrieb “Der Weg zum Rio Grande“ über Tamara Bunke.

Wozu braucht man denn überhaupt Helden? Gerade Tamara Bunkes Beispiel zeigt, wie zeitgebunden und veränderlich solche Figuren sind. Sören Marotz’ Meinung dazu ist: „Helden sind in einer funktionierenden Gesellschaft nicht unbedingt nötig. Man braucht sie als soziale Konstruktion erst, wenn eine Schieflage da ist. Diktaturen brauchen Helden als Futter fürs Volk.“

Sonderausstellung „Ein Land und seine Helden – 25 Geschichten aus der DDR“, 28. April bis 31. Oktober 2022 im Foyer des DDR Museum, Karl-Liebknecht-Str. 1, 10178 Berlin.

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